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Mittwoch, 23. Januar 2013

Prinseite Januar 2013 / "Indianer"* im Ausland


* Wortfluss hieß vor einiger Zeit einmal "Indianer". Aufgrund von möglicher diskriminierender Auslegung wurde der Name geändert. Die Wortbedeutung stammte jedoch aus dem englischen Wort "independent", zu Deutsch "unabhängig".


von Yasemin Rittgerott

Alter: 19-20
Wann: von Juli 2012 bis Juli 2013
Wo: England

Ich wusste schon sehr lange, dass ich nach meinem Abitur etwas von der Welt sehen möchte. Ich wollte gerne mein Englisch verbessern und eine andere Kultur kennenlernen. Dadurch, dass meine Familie früher selbst Au pairs hatte, entschied ich mich schon sehr früh, diesen Weg ins Ausland zu nehmen.
Ich machte mich schon früh eigenständig auf die Suche nach einer Gastfamilie und wurde leider erst spät fündig. Dafür war mit dieser Familie sehr schnell alles klar.
Im Juli des letzten Jahres macht ich mich dann also auf in das Vereinigte Königreich zur Familie Edwards, die aus Vater, Mutter und einem Jungen (12) und einem Mädchen (10) besteht.
In meinen ersten Wochen hier waren noch Ferien und ich verbrachte die meiste Zeit mit Kinder hüten und Haushaltsarbeit. Und trotzdem war ich ziemlich glücklich: Ich verstand mich gut mit den Gasteltern, die Kids und ich hatten immer viel Spaß zusammen und die Arbeit im Haushalt war auszuhalten. Auch an 24 Stunden geöffnete Supermärkte, die Kreisel, das lInks-Fahren und die sehr freundlichen Menschen gewöhnte ich mich mehr als nur gut. Zusammen mit den zahlreichen anderen Au pairs aus der Gegend begann ich England zu entdecken und wirklich gute Erinnerungen zu sammeln.
Mit der Zeit kam dann der Alltag: Die Kids gingen ins Internat, die Eltern arbeiten und ich erledigte meine an einer Hand abzählbaren Aufgaben. Die viele Freizeit die ich nun hatte, verbrachte ich mit College und anderen Unternehmungen mit anderen Au pairs.
Da ich die Familie nun ja nicht mehr wirklich oft sah, blieben vor allem die Ferien, um sie noch besser kennenzulernen. Und da musste ich dann lernen, dass Kinder leider nur meistens süß sind und wir auch nur meistens viel Spaß miteinander haben. Denn manchmal sind sie auch sehr launisch, zickig und besserwisserisch. Sätze wie „Aber Mama sagt...“ musste ich mir gerade von dem Mädchen des Öfteren anhören. Leider vergessen sie auch gerne, den Wasserhahn richtig zuzudrehen, die Toilettenspülung zu betätigen oder ihr benutztes Geschirr wieder in die Küche zu räumen. Eine Zeit habe ich nur gedacht, mit 10 und 12 sollte man doch diese Dinge bereits gelernt haben. Aber ich musste feststellen, dass auch die Eltern, eben diese Dinge gerne nicht machen.
Aber ich bin eben nicht zu Hause & jede Familie ist ein bisschen anders, daran muss man sich gewöhnen und anpassen. Meine Familie lässt halt gerne mal etwas rumliegen, aber wozu braucht man auch sonst ein Au pair und eine Putzfrau? Und dank Maria (der Putzfrau) und mir sieht es eigentlich auch immer gut aus. Ok, ich möchte jetzt nicht übertreiben, sie lassen ja nicht ALLES rumliegen, nur manchmal, denke ich mir auch nur so „Aaachsoo...“. Solche Geschichten hört man eigentlich von jedem Au pair. Jede Familie hat so ihre Eigenarten und so bleibt uns bei unseren wöchentlichen Treffen zum Tee trinken (ich liebe schwarzen Tee mit Milch!) immer genügend Gesprächsstoff.
Trotz allem bin ich super zufrieden hier, ich mag meine Gastfamilie, sie haben viele Freunde und ich durfte schon dem ein oder anderen Straßen-Grill-Fest mit der ein oder anderen Flasche Wein beiwohnen (Englische Familien scheinen gerne viel Wein zu trinken). Ich habe mit oder über sie immer was zu lachen und fühle mich sehr willkommen und zu Hause. Das einem „seine“ Familie oder sein „Chef“ ab und zu mal auf die Nerven geht ist ja ganz normal. Und für mich einen sich eben die Beiden in einem. Mit einem Schmunzeln lassen sich aber diese nervigen Kleinigkeiten doch sehr leicht bewältigen.
Ich habe hier mein eigenes Auto und super viele Freiheiten. Es ist noch besser, als ich es mir immer vorgestellt habe und England ist einfach wunderschön, wenn man von den manchmal Feldwegartigen Straßen absieht.
Ich lebe hier definitiv meinen Traum!

von Tassia Weimann

Foto: Rebekka Lenz
Alter: 19
Wann: von Januar 2013 bis Ende Mai 2013
Wo: Schweiz

Marie schmiegt ihren Kopf an meiner Schulter. „Was machst du?!“, fragt sie und drückt auf die Tasten meines Laptops. „Ich schreibe einen Text.“ Doch das interessiert sie nicht wirklich, die Tasten und die Maus sind viel interessanter. Ich unterbreche also den Versuch im Wohnzimmer meinen Text zu schreiben und öffne Paint, um mit ihr ein paar virtuelle Kreise zu zeichnen. Schnell kommen auch Alba und Moritz auf das Sofa gesprungen und möchten selbiges tun. Ich versuche zunächst noch auf mein Notizheft auszuweichen, aber dieses wird kurzerhand als Malbuch gebraucht. Nun gut, also wird das Projekt auf später verschoben – Spielen ist jetzt wichtiger.
Seit über zwei Wochen lebe ich nun im kleinen Deitingen bei Solothurn in der deutschsprachigen Schweiz. Für fünf Monate werde ich hier als Au Pair arbeiten und mich um die dreijährigen Zwillinge Alba und Marie und ihren großen Bruder Moritz (bald fünf Jahre alt) kümmern. Letzteres ist meine Hauptaufgabe neben kleineren Hausarbeiten, wie die Geschirrspülmaschine ein- und auszuräumen oder zu staubsaugen. In den ersten vierzehn Tagen habe ich mich nun schon recht gut an den Alltag gewöhnt. Nur die Sprache bleibt für mich weiterhin ein kleines Problem. Schweizerdeutsch ist eindeutig eine Fremdsprache! Schon öfters sind kleine Missverständnisse entstanden. Zum Beispiel als meine Gastmutter mich fragte, ob wir „laufen“ gehen wollten. Ich war ein wenig perplex, da ich weder unendlich sportlich noch das richtige Paar Schuhe zum Laufen hatte. Als ich dieses Andrea erklärte, guckte sie verwundert auf meine Winterschuhe, bis wir beide merkten, dass wir total aneinander vorbeigeredet hatten. „Laufen“ bedeutet in der Schweiz nämlich unser normales „gehen“ und somit war meine anfängliche Panik umsonst gewesen. Wenn ich teils die Kinder nicht verstehe, zum Beispiel wenn ich Tiere malen soll, lasse ich mir meistens die Laute der Tiere vormachen oder Moritz versucht es in das Hochdeutsche zu übersetzten, was meistens schon ganz gut glückt.
Die Zeit mit den Kindern ist schön, aber teils auch sehr anstrengend. Neben den schönen Momenten, wie dem Vorlesen auf dem Sofa, wenn alle drei Kinder sich an dich ankuscheln oder den gemeinsamen Spielen, wo ich dann als Mamakrokodil oder Tiger fungiere, gab es auch schon größere und kleine Tiefs. Diese entstehen meistens aus der Frustration, wenn man hört: „Nein, du darfst das nicht anziehen. Nur Papa/Mama darf das!“ oder auch, wenn die Sehnsucht nach der Heimat gerade etwas stärker wird. Jedoch sind das immer nur kleinere Momente, die dank Gesprächen mit meinen Gasteltern (mit denen ich mich super verstehe!) oder Skype mit Freunden und Familie schnell wieder überwunden werden.
Ich freue mich schon in den nächsten Monaten neue Leute, die Kultur und die schöne Umgebung besser kennenzulernen. Ich werde das erste Mal Skifahren, hier als Faschingsmuffel die große Fasnachtskultur kennenlernen, an den Solothurner Filmtagen den einen oder anderen schweizerischen Film sehen und hoffentlich nicht zu viel Geld ausgeben, was hier schnell passieren kann. Aber schon nach zwei Wochen kann ich sagen, dass es für mich das Richtige war, sich in das Abenteuer Schweiz zu stürzen und ein Stück über sich selbst hinaus zu wachsen.

Liste von Yasemin Rittgerott

Geh ins Ausland!
Mit:
  •  Offaehrte: Sprachreisen, Schüleraustausch, Freiwilligenprojekte, Erlebnisreisen
  • EF - Education First: Sprachreisen, Schüleraustausch, Au pair, Studium
  •  international Services: Vermittlung von Jobs im Ausland
  •  www.aupairworld.net: unabhängig Gastfamilien aus aller Welt finden
  • WWOOF - World Wide Opportunities on Organic Farms: arbeite auf Farmen auf der ganzen Welt
  • iST – Internationale Sprach- und Studienreisen: Schüleraustausch, Sprachreisen, Auslandsstudium, Work & Travel, Praktikum, Au pair
  • MultiKultur: Au pair, Freiwilligenarbeit, Work & Travel, Praktikum
  • Weltwärts – Der Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Vermittlung von Freiwilligenarbeit in Entwicklungsländern
  • Kulturweit - Der Freiwilligendienst des Auswärtigen Amts: Freiwilligenarbeit in Entwicklungsländern
  • Ayusa-Intrax: Schüleraustausch, Au pair, Sprachreisen, Praktiukum, Work & Travel, Freiwilligenarbeit
Keine Garantie auf Vollständigkeit!


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Mittwoch, 19. Dezember 2012

Dezember 2012 / Sound

von Elina Göhrmann

High Five – Kleine Zeichen
Als ich dieses Lied zum ersten Mal bei einem Konzert dieser A Capella Gruppe gehört habe, habe ich mich sofort in den Text verliebt. „Es sind kleine Zeichen, die große Worte meinen“. Dieser Satz gibt einfach das wieder, was ich schon seit Jahren mit einem Lächeln bei jedem Menschen beobachte: dass Gesten manchmal mehr sind als Worte und genau das ist für mich das Besondere im Leben.

Chima – Risiko
„Heute geh' ich Risiko statt Kontrolle, einfach Risiko […] und ich tanz' auf dem Vulkan verdammt, was soll mir passieren“.
Das Lied zeigt mir immer, dass man manchmal auch etwas riskieren muss, um an sein Ziel zu gelangen. Auch, wenn ich das eigentlich immer weiß, ist der Gedanke an das Lied oft der letzte Schubser, bevor ich den Sprung über den Abgrund wage – vielleicht eine Art Kraftreserve.

Bosse – Wende der Zeit
Dort, wo meine Füße sind, ist der Augenblick, der vielleicht das große Glück bringen könnte. Dort, wo ich gehe, ist der Weg, der mich zu neuen Wegen führen wird. Was bringt es mir, an den Rand des Weges zu gucken, wie andere Leute ihren Weg gehen, selbst wenn dieser vielleicht heller ist als meiner? Was bringt es mir das Glück anderer zu betrachten, wenn ich dadurch Gelegenheiten verstreichen lasse, die vielleicht zu meinem Glück hätten werden können? Ich selbst bin meine Wende der Zeit – hört euch das Lied an, dann wisst ihr genau was ich meine, denn dieses Lied erzählt von all' diesen Gedanken.

Unsere Sound-Playlist findet ihr bei spotify unter: Wortfluss Sound
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Prinseite Dezember 2012 / Weihnachten

von Tassia Weimann

Wenn ich Weihnachten meine, dann meine ich:
  • Der Weihnachtsgottesdienst um 23 Uhr in der Jakobikirche, wenn schweigende Massen in Kirchenschiffen sitzen und sich von Worten und Melodien hin- und herwiegen lassen, sich berühren lassen.
  • Die strahlenden Augen beim Geschenke auspacken. Weil man das Geschenk des Menschen wegen nicht des Geldes wegen gekauft oder gebastelt hat.
  • Weihnachtsbäume, die nur für eine Person geschmückt wurden. Für die Weihnachten etwas Schmerzliches ist.
  • Das Krippenspiel mit seinen kleinen Engeln, die eher ins Mikrofon kreischen als singen. Mehr winken als schauspielern. Und die trotzdem jedes Mal das Herz erwärmen.
  • Jedes Jahr dasselbe Weihnachtsessen: Kartoffelsalat mit Würstchen. Und jedes Jahr aufs Neue, schwöre ich mir, dass ich es später anders machen werde. Mit ordentlichen Braten oder Ente oder Gans – alles außer das.
  • Der Druck „das perfekten Weihnachtsgeschenk“ zu finden, der schon Anfang November beginnt. Und im Endeffekt gibt man doch wieder mehr Geld aus, als geplant.
  • Das Glück, wenn es an Heilig Abend schneit und man mit großen Augen die ersten Schneeflocken betrachtet und schätzt.

von Elina Göhrmann

Hier stehe ich nun hoch oben mit Schnee in meinen Haaren und dick eingemummelt in meiner Skijacke. Die Bergluft um mich herum ist kalt und alles um mich herum glänzt und glitzert unter der weißen Pracht. Kälte gehört mit zur Weihnachtszeit, vor allem hier in Österreich, und ohne die Kälte wäre es wohl auch nicht dasselbe, egal wie oft ich mich darüber beschwere. Jetzt, wo ich den Treffpunkt erreicht habe, kann ich alles betrachten, nicht nur die Schemen, die beim Skifahren an einem vorbei zischen. Statt jedoch vorhin zugehört zu haben, rauscht mein kleiner Cousin an mir vorbei und freut sich, dass er einmal schneller war als ich, bevor er bemerkt, dass sein Bruder schön bei mir stehen geblieben ist und dass er am Treffpunkt vorbeigefahren ist. „Verdammt.“ höre ich ihn nur fluchen, bevor er einmal tief Luft holt und mühsam den Hügel auf Skiern wieder hoch stampft. Ich lächle aufgrund dieser Situation, während mein kleiner Bruder, der inzwischen auch angekommen ist, hoch zur schon geschafften Strecke schaut und etwas davon murmelt, dass die Erwachsenen immer so lange brauchen, bevor er erleichtert meint: „Da kommen sie ja endlich!“ Die Zeit auf der Piste ist für mich Weihnachten, diese ganze Woche ist für mich Weihnachten, weil die Stimmung an jedem einzelnen Tag festlich und gemeinschaftlich ist. Ich erinnere mich an letztes Jahr, wo wir unsere neuste Tradition angefangen haben und den Film „Zwei Weihnachtsmänner“ zusammen geguckt haben. Heute Abend würden wir eben diesen wieder gucken und so lange lachen, bis uns der Bauch weh tut – das war fest geplant und eine der Sachen auf die man sich ein ganzes Jahr lang freuen konnte. „Ich bekomme nie genug von Österreich“, denke ich noch, bevor alle angekommen sind und es weiter geht – immer abwärts, und dann immer wieder hoch.

Liste von Yasemin Rittgerott

  • Niederlande (und Belgien): Die Niederlande feiern erst seit wenigen Jahren auch das typische Weihnachten. Jedoch ist ihnen die Tradition des Sinterklaasavond (Nikolausabend) wichtiger.
  • Faröer: Auf den Faröern wird vom 24. Dezember an, 20 Tage lang Weihnachten gefeiert.
  • Ukraine: In der Ukraine findet der Heilige Abend erst am 6. Januar nach dem julianischen Kalender statt.
  • Bulgarien: In Bulgarien feiert man Weihnachten am 25. Dezember. Dieser Tag markiert außerdem das Ende einer Fastenzeit, die am 15. November begann. Am Heiligen Abend werden veganische Gerichte in ungerader Zahl zubereitet. Meistens 7,9 oder 13 Stück.
  • Australien: Ein bekanntes australisches Weihnachtslied „Six White Boomers“, handelt davon, wie der Weihnachtsmann seine Rentiere in sechs große weiße Kängurus eintauscht und auf seiner Reise auch noch einem kleinen Känguru hilft, seine Mutter wiederzufinden.
  • Katalonien (Teil Spaniens): In Katalonien findet am 6. Januar die Bescherung statt. Zudem wird am Heiligen Abend auch die Tradition des Tió de Nadal gefeiert. Dabei wird ein mit Geschenken gefüllter Korb, der mit einem Tuch abgedeckt ist, mit Stöcken geschlagen, damit er die Geschenke herausgibt. Besonders ist auch eine kleine Figur mit dem Namen „caganers“ („Kleiner Scheißer“), die mit heruntergelassener Hose in vielen Krippen zu finden ist.
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Mittwoch, 28. November 2012

Printseite November 2012 / Glücksbringer

von Tassia Weimann

Sie ist ihr eigener Glücksbringer. In einem Punkt in ihrem Leben hat sie aufgehört sich auf Dinge zu verlassen. Geld über die Schulter in einen Brunnen zu werfen hat sie genauso glücklich gemacht, wie für fünf Euro Glücksklee zu kaufen – nämlich gar nicht. Nun ist sie ihr eigener Herr. Pächter über das Glück. Ein kleiner Schornsteinfeger ohne den ganzen Ruß im Gesicht. Für sie ist Glück eher glücklich zu sein. Nicht als ein dauerhafter Zustand, sondern eher in kleinen Momenten. Wenn sie einen Euro auf der Straße findet, auch wenn sie dadurch sicherlich nicht reich wird. Aber für eine Rumkugel, die sie so gerne isst, reicht es. Oder wenn ihre Nachbarin ihr rosa Rosen aus ihrem Garten bringt, weil diese weiß, wie gerne sie die hat. Sie erfreut sich an den kleinen Dingen im Leben und jagt nicht mehr dem Lottogewinn hinterher, der sie vermutlich eh nie richtig glücklich machen wird. Und das Glück kommt von ganz alleine, es schleicht sich von hinten an und pustet ihr nur ganz leicht in Ohr. Doch sie spürt es, dreht sich um und kann es in die Arme schließen. Jeden Tag aufs Neue.

von Elina Göhrmann

Meine Glücksbringer sind zwei Armbänder, die für mich einfach unheimlich wichtig sind. Eins davon besteht aus einem selbstgeflochtenem Band mit einem Skarabäusstein, den mir mein Cousin aus Ägypten mitgebracht hat. Dieses Armband trage ich nur, wenn ich wirklich auf das Glück hoffe, wenn ich versuche es herbeizurufen. Bei Klassenarbeiten und auch bei anderen Prüfungen leistet es meistens gute Dinge und auch, wenn es mal nicht so gelaufen ist, glaube ich daran. Jeder hat schließlich mal einen schlechten Tag, auch mal ein Glücksbringer. Das zweite Armband habe ich mir selber gekauft und dabei an die Menschen gedacht, die ich liebe und nicht häufig sehen kann. Denn diese geben mir immer Kraft und Mut. Ich trage es Tag und Nacht um mein linkes Handgelenk, weil auf der linken Seite auch mein Herz liegt, und fühle mich immer unwohl, wenn ich es dann zwischendurch doch für Sport abnehmen muss. Und jedes Mal, wenn ich dieses schlichte Armband sehe, denke ich an all' meine Liebsten und fühle, dass sie stets bei mir sind. Deswegen bringt es mir Glück im Alltag, weil man, ohne Liebe und Freundschaft bei sich zu haben, nicht weit kommt. Warum es gerade Armbänder sind weiß ich nicht - ich weiß nur, dass ich sie nicht mehr missen möchte.
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Mittwoch, 14. November 2012

November 2012 / Sound

Zur Printseite "Fern(e)Beziehung"

von Tassia Weimann 

Taylor Swift – We are never ever getting back together
Manchmal wird es Zeit loszulassen. Von alten Freundschaften, Beziehungen, Gefühlen und Ängsten. Manchmal muss man alles auf Distanz bringen. Diese Ernsthaftigkeit des Liedes schwingt immer mit, wenn ich es höre. Trotzdem fühle ich mich bei den Pop-Klängen wieder wie zwölf und verursache mir durch die Dauerwiederholung selbst einen Ohrwurm.
Philipp Poisel – Wo fängt dein Himmel an
„Wo fängt dein Himmel an, und wo hört er auf? Wenn er weit genug reicht macht dann das Meer zwischen uns nichts mehr aus? Du fehlst mir, oh du fehlst mir“
Perfekt für melancholische Abende mit einem gefühlsschweren Herz.
BOY – Drive Darling
Das unvermeidliche Wegfahren, Verlassen, Zurücklassen. Die Angst, die im Inneren schlummert und dennoch nicht an die Oberfläche kommt. Aber auch die Freiheit einfach losfahren zu können und Neues zu entdecken. Einfach die Zähne zusammenzubeißen und alles auf sich zukommen zu lassen. Und das Gefühl zu haben seine Liebsten doch immer bei sich zu tragen.
Unsere Sound-Playlist findet ihr bei spotify unter: Wortfluss Sound

 

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Printseite November 2012 / Fern(e)Beziehung


von Yasemin Rittgerott

Ich habe geschrien, ich habe geweint, ich habe falsch gelacht, ich habe versucht kühl zu tun, ich habe versucht dich zu hassen, ich habe dich ignoriert, ich wollte dir alles geben. Nein. Ich habe dir alles gegeben. Alles, was ich hatte. Ich habe jedes Gefühl, das zwischen Liebe & Hass existiert, wegen dir gefühlt. Du hast meinen Horizont erweitert und trotzdem habe ich mich so klein gefühlt.
Dabei habe ich so oft gedacht, da wäre dieser Funke, das Gewisse Etwas zwischen uns. Aber heute blicke ich zurück und sehe die Distanz, die mein Herz so lange versucht hat zu überbrücken, um deins zu berühren – wenn auch nur für einen kurzen Augenblick. Ob es gelungen ist? Wer weiß das schon, außer dir? Du bist unerreichbar. Du bist aus einer anderen Welt, von der kein Wort zu meiner gelangt, kein eindeutiges Zeichen.
In meinen Gedanken spiele ich jede mögliche Wendung unserer Geschichte durch, nur um jedes Mal wieder zu bemerken, dass es eigentlich nur meine Geschichte ist, meine Geschichte mit dir. Denn für ein „uns“ hättest du dich ja auch einbringen müssen.

von Tassia Weimann

„Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir - für immer.”- Konfuzius
In 58 Tagen bin ich 714 km für insgesamt 147 Tage von dir entfernt. Im Moment scheint mir das eine schier endlose Zeit und Weite zu sein. Ich bekomme Bauchschmerzen, wenn ich daran denke. Ich frage mich, wie es sein wird, dich nur per Webcam sehen zu können. Auf dem Laptop, den ich noch nicht habe. Vielleicht geht es ja auch mit einem Smartphone. Ich weiß es nicht. Alles ist so ungewiss, wage, mit Stolpersteinen versehen.
Aber ich freue mich auch. Darauf neue Erfahrungen zu machen. Raus zu kommen aus meinem Alltagstrott, der sich von Monat zu Monat mehr in meinem Leben schleicht. Ich freu mich darauf, wenn sich neue Menschen in meinem Herz einschleichen. Ich will dir von meinen blauen Flecken erzählen können, wenn ich Snowboard fahren lerne. Ich will dich überraschen, wenn du mich besuchen kommst und ich nur noch alle 3 Meter hinfalle. Ich will auf eigenen Beinen stehen und mir etwas erarbeiten. Ich stelle es mir unheimlich beruhigend vor am Abend in deine leicht verpixelten Augen zu blicken und mir somit ein Stückchen Heimat direkt in die Schweiz zu holen. Die Weite zu überbrücken und dich fast ganz nah bei mir zu haben. Ich stell es mir vielleicht härter vor als es sein wird. Aber bei all den Bedenken, bin ich guter Hoffnung, dass ich daran wachsen werde. Das wir daran wachsen werden. Und dann hören die Bauchschmerzen auf und die Vorfreude siegt.

von Elina Göhrmann

[...]Jeder sehr gute Freund hinterlässt einen leeren Platz, wenn er nicht mehr da ist, und genau so einen leeren Platz hast du hinterlassen, als du nach Spanien zogst. Ich erinnere mich an unsere Zeit, doch ich achte darauf, nicht in Sehnsucht danach zu greifen, denn diese Zeit kommt nie wieder. Wir können träumen, doch diese Träume sollten nicht Realität werden, denn jeder von uns hat seine eigene Realität. Von meinem Leben hier zu schreiben würde alles für dich nur lebendiger machen und im Lebendigen verliert man sich leichter. In meinem Herzen wird es immer Momente geben, in denen ich mich fragen werde, was du mir raten würdest, wenn du noch hier wärst, und es wird mir Kraft geben, doch meine Realität ist hier und jetzt – ohne deine Freundschaft. Ich weiß, dass du das auch weißt, ich weiß, dass du es auch so siehst.[...]“
Und sie legte den Stift weg, schaute auf das Blatt und zerknüllte es wieder. Manche Zeiten sollte man nur in Erinnerung behalten und nicht wieder aufleben lassen – sie könnten nur zerstört werden und dafür waren sie zu wichtig.

Liste von Elina Göhrmann

Freundschaft über Stock und Stein...
…so bezeichne ich meine Freundschaft mit einer mir wichtigen Person aus Hildesheim, die ich trotz geringerer Entfernung nicht häufig sehe – denn wenn wir uns sehen hat sich einfach nichts zwischen uns verändert, egal wie lang die Zeit dazwischen war.
2 Stunden Flug oder mehr…
…ist eine zu große Entfernung, um sich zu sehen – meist auch zu teuer – deswegen finde ich es immer wieder wunderbar zu hören, dass zwei Menschen es schaffen mit wenig Kontakt ihre Liebe aufrecht zu erhalten, um sich, zum Beispiel nach einem Auslandsjahr, wieder in die Arme zu fallen.
Liebe über lange Wegstrecken hinweg…
...ist meiner Meinung nach keine Situation, die jeder aushält, doch wenn es funktioniert macht es die Beziehung – zumindest von außen betrachtet – nur noch schöner. Natürlich ergeben sich auch Sehnsucht und Vermissen wie von selbst, wobei ich nur aus der Sicht als Freundin und nicht aus eigener Erfahrung sprechen kann, doch überstehen kann Liebe die Kilometer definitiv!
Brieffreundschaften…
…hatte ich schon einige in meinen 17 Jahren Lebenszeit, doch nur eine hat sich richtig gehalten, ohne, dass ich diesen Menschen jemals gesehen habe. Irgendwann finde ich die Zeit und überbrücke die Entfernung, doch bis dahin bleibt es bei Briefen und seltenen Telefonaten, über die man eindeutig genauso gut kommunizieren und sich ein Bild bilden kann, wie wenn die Person vor einem steht!
im Herzen nah…
...bleibt mir immer mein verstorbener Großvater, auch wenn ich mich kaum an ihn erinnere. Für mich ist auch dies eine ferne Beziehung, weil er so trotzdem immer bei mir ist.

Sound von Tassia Weimann

Taylor Swift – We are never ever getting back together
Manchmal wird es Zeit loszulassen. Von alten Freundschaften, Beziehungen, Gefühlen und Ängsten. Manchmal muss man alles auf Distanz bringen. Diese Ernsthaftigkeit des Liedes schwingt immer mit, wenn ich es höre. Trotzdem fühle ich mich bei den Pop-Klängen wieder wie zwölf und verursache mir durch die Dauerwiederholung selbst einen Ohrwurm.

Philipp Poisel – Wo fängt dein Himmel an
„Wo fängt dein Himmel an, und wo hört er auf? Wenn er weit genug reicht macht dann das Meer zwischen uns nichts mehr aus? Du fehlst mir, oh du fehlst mir“
Perfekt für melancholische Abende mit einem gefühlsschweren Herz.

BOY – Drive Darling
Das unvermeidliche Wegfahren, Verlassen, Zurücklassen. Die Angst, die im Inneren schlummert und dennoch nicht an die Oberfläche kommt. Aber auch die Freiheit einfach losfahren zu können und Neues zu entdecken. Einfach die Zähne zusammenzubeißen und alles auf sich zukommen zu lassen. Und das Gefühl zu haben seine Liebsten doch immer bei sich zu tragen.


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Mittwoch, 10. Oktober 2012

Printseite Oktober 2012 / Meer


von Yasemin Rittgerott

Es kitzelt leicht meine Zehenspitzen, dann umspielt es sanft meine Knöchel und kriecht meine Schenkel empor. Kühl umgibt es mich, so erfrischend kühl. Die leichten Wogen umhüllen meinen Körper so sinnlich, dass ich überall eine Gänsehaut bekomme. Vielleicht ist es aber auch nur von der frischen Nässe auf meiner heißen Haut. Ich könnte Stunden so verbringen – treibend im blauen Riesen. Das Meer bringt mich immer viel weiter vom Strand weg, als es eigentlich scheint. Meine Gedanken schwimmen so weit hinaus bis sie vollkommen frei sind. Ich spüre diese Größe, die mich manchmal mit ihrer scheinbaren Unendlichkeit überwältigt. Ich tauche dann, bis ich den Druck deutlich auf meinen Ohre spüren kann. Sobald ich dann nach Luft schnappend wieder auftauche, weiß ich, dass das Meer wirklich so riesig ist. Und meine Gedanken weiten und weiten sich und wenn ich später dann langsam aus dem Wasser schreite und die salzigen Tropfen von meiner Haut abperlen, weiß ich, dass ich noch viel länger etwas von diesem Bad haben werde, als von eben diesen so schnell verdampfenden Tropfen...

von Elina Göhrmann

Das Meer hinterlässt seine Spuren schon seit Jahren in meinen Erinnerungen. Jedes Jahr im Sommer fahre ich einmal ans Meer und jedes Mal kommen einzigartige Erinnerungen hinzu, auch wenn es meistens sogar derselbe Strandabschnitt ist – denn irgendwie ist das Wasser niemals dasselbe. Ich glaube, dass das Wasser nie zweimal an ein und derselben Küste ist oder gar an ein und demselben Platz. Und genau dieser Gedanke macht das Meer für mich noch viel spannender, viel einzigartiger. Oft muss ich nur die Augen schließen, um wieder am Strand zu liegen und die Sonne auf meinem Rücken zu spüren, an Wasserschlachten in Klamotten mit meinem Bruder zu denken - um einfach wieder am Meer zu sein. Wenn ich Fotos anschaue, insbesondere die von meiner Italienreise mit meiner besten Freundin, ist das Rauschen des Meeres in jeder Erinnerung, wie eine wunderschöne Untermalung, und jede Erinnerung ein Lächeln auf meinem Gesicht. Es tut einem gut, als ob es nur dafür da ist, als ob das Rauschen und der Anblick die Seele reinigen. Und ich würde am liebsten immer und immer wieder zum Meer fahren, doch tue es aus verschiedenen Gründen nicht. Vielleicht auch ein wenig aus Angst davor, dass mein kleines Wunder alltäglich werden würde.
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