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Donnerstag, 31. Januar 2019
Dienstag, 28. August 2018
Dienstag, 19. Juni 2018
Dienstag, 27. Februar 2018
Dienstag, 30. Januar 2018
Mittwoch, 22. November 2017
Printseite November 2017 / Umwege
von Niklas Stuhr
Ist der Weg auch das Ziel, wenn der Weg ein Umweg ist? Und was wird dann aus dem eigentlichen Ziel überhaupt, wenn ja nun auf einmal der Weg zum Ziel geworden ist? Vielleicht ist der Lebensweg so verwirrend für den Großteil der Leute, weil schon die Begrifflichkeiten so verwirrend formuliert und behaftet sind. Für mich ist das Ganze eh ein Mysterium. Ich kann keine klare Linie (was ein Umweg sowieso nicht ist) erkennen. Natürlich kann man immer sagen, dass man auch über einen Umweg ans Ziel kommen kann, aber sollte man deswegen das Abkommen vom eigentlichen Weg (Moment, oder dem Ziel? Verwirrend) in Kauf nehmen? Meist kommt man auf Abwege, wenn man verwirrt, verblendet, benebelt oder abgelenkt ist. Wird dieser Zustand auch noch durch die fehlende Klarheit des Ziels verursacht, verrennt (kleines Wortspiel) man sich in einem ewigen Teufelskreis. Vermutlich ist der einfachste Weg zum Ziel immer noch dem Pfad zu folgen, auf dem die meisten Leute laufen. Das mag natürlich verpönt sein und viele Wege führen nach Rom (ist Rom vielleicht das Ziel?), doch ich bezweifle, dass es für jeden Menschen einen eigenen Weg nach Rom gibt. Nun habe ich fast ein Plädoyer gegen Individualismus und für den Weg der Masse gehalten, doch würde ich natürlich nie selbst sagen, dass ich dem Weg anderer Leute folgen oder meine eigene Individualität aufgeben möchte. Fast schon ein Teufelskreis und genauso verwirrend wie die Definition des Ziels.von Lara Konrad
Hätte ich nicht die längere Strecke genommen, hätte ich niemals den Sonnenuntergang über dem Meer gesehen. Ich hätte nicht nach dem Weg fragen müssen und somit nie meinen jetzigen besten Freund kennengelernt. Wäre ich auf dem gewohnten Weg geblieben, dem vertrauten Weg, hätte ich nie all diese neuen Dinge gesehen, nie mein Lieblingscafé gefunden, nie zum Lied des Straßenmusikers im Regen getanzt. Ich hätte mich nie verirrt und wäre auf der Suche nach meinem Weg nie auf all die kleinen Pfade gestoßen, die voller Überraschungen stecken und von denen ich gar nicht wusste, dass sie existieren. Ist der kürzere Weg besser, nur weil er effizienter ist? Ist es nicht viel aufregender, einen Umweg zu nehmen, selbst mit der Gefahr, sich zu verlaufen? Die Schwierigkeit liegt schließlich nicht darin, einen bereits gefundenen Weg entlang zu gehen; die Schwierigkeit liegt darin, seinen Weg zu finden, und das immer wieder aufs Neue. Dabei ab und zu vom gewohnten Weg abzukommen, kann einen an ganz neue, nie gekannte Ziele transportieren; Ziele, nach denen man nie gesucht hat, die aber doch die eigenen sind. Es kann einen über gänzlich ungewohnte Wege führen, die nicht immer leicht sein mögen - aber um Wege zu finden, muss man manchmal Umwege gehen.von Hannah Springer
Ich hatte da so eine Vision. Eine Vision von meinem Leben. Von meinen Träumen, Zielen und Erwartungen. Jahrelang habe ich an dieser gearbeitet und gekämpft, dass sie Gestalt annimmt. Dass sie kein Hirngespinst bleibt, sondern Stück für Stück zur Realität wird. Es hat gut geklappt. Ich kam voran und mir war klar, wie mein Weg verlaufen sollte. Welche Schritte die nächsten sein werden und was ich dafür tun müsste. Bloß nicht stehen bleiben, immer weiter gehen und möglichst auf direktem Weg zum Ziel -das war meine Devise. Hindernisse, Stopps oder gar Umwege waren nicht eingeplant. Mein Weg führte schnurstracks geradeaus. Vergessen habe ich das Links und Rechts. Übersehen, was am Wegesrand lag und gedankenlos jede andere Option abgelehnt. Ein Tunnelblick nach vorne erlaubt keine Seitenblicke. Jetzt gerade sieht mein Tunnelblick Schwarz. Schwarz für mich und meinen Weg. Schwarz für mich und meine Zukunft. Schließlich erlaubt die meterhohe Wand vor mir kein Weiterkommen. Das war so nicht vorgesehen. Zugegeben, ich stehe etwas planlos davor. Seit ich denken kann ist es das erste Mal, dass ich nicht weiterkomme. Dass ich keinen genauen Plan habe. Jetzt verfluche ich, dass mein Blick nie abgeschweift ist. Niemals andere Wege und Ziele in Betracht gezogen hat. Vielleicht wäre mir mit ein bisschen Weitsicht die Wand schon früher aufgefallen oder ein anderer Weg, auf dem ich auch ans Ziel kommen würde. Woher habe ich bloß die Gewissheit genommen, dass es nur diesen Weg für mich gibt. Ich gehe langsam auf das große Schwarze vor mir zu und berühre es mit der Hand. Tatsächlich, es ist da und lässt sich kein Stück bewegen. Kalt, starr und bewegungslos liegt es vor mir. Ich drehe mich um und lasse es hinter mir. Auf der Suche nach ein bisschen Weitsicht.von Tassia Weimann
Ich wollte auf dem direkten Weg zu dir. Immer gerade aus. Mit dem perfekten Plan im Kopf: Von einer gemeinsamen Zukunft, vom Mitwippen der Musik beim gemeinsamen Besuch von Konzerten, von tiefgründigen Gesprächen, von unendlich vielen Küssen. Doch dieser Plan war nur meiner, nicht deiner. Wir sind unterschiedliche Wege gegangen. Manchmal haben sie sich gekreuzt, haben mir einen Vorgeschmack gegeben auf das was sein könnte. Doch dann wurde ich wieder auf meine eigene Strecke befördert. Manchmal hat sie mich zur Strecke gebracht.
Und ich habe dich ziehen lassen. Um dich trotzdem gedanklich
zu verfolgen. Das Interesse hat nie aufgehört. Konnte meinen Blick nicht von
unserem Labyrinth lösen. Konnte die Pläne nicht gehen lassen, obwohl ich jeden
Moment eine Mauer erwartete.
An dem Moment, an dem ich am meisten davon Abstand gewonnen
hatte, kurz davor war die Gedanken abzuschalten, bog ich um die Ecke. Und war
in der Mitte angekommen. Und da warst du. Mit offenen Armen, mit einem Plan,
der meinem so sehr ähnelte.
Und da stand ich. Glücklich, aber unglaublich verwirrt. Nie
hätte ich geglaubt, dass unsere unterschiedlichen Wege nur ein Umweg waren, die
das gleiche Ziel hatten.
von Yasemin Rittgerott
Um dich zu umgehen, würde ich alles tun. Nur weg von dir. Fort, weit fort von dir. Ich laufe im Kreis. Ich dreh mich um, drehe mich um mich, dreh mich um dich. Weiter zu Orten, an denen ich noch nicht gewesen bin. Orte, an die ich nie wollte. Hallo, jetzt bin ich trotzdem da. Hin und her. Her und hin. Wo komm ich nochmal her? Wo will ich hin? Was war das Ziel? Warst das nichtmal du? Um mich ging es schon lange nicht mehr. Nun laufe ich, um Wege weg von dir zu finden. Bin ich hier richtig? Geht es hier lang? Oder lande ich am Ende wieder in deinem Schoß? Kein Ort ist besser als dein Ort. Dein Ort war auch mein Ort. Doch du willst alles, willst alles von mir. Ich will das nicht mehr. Lieber im Kreis rennen als stillzustehen, einzufrieren, nie zu gehen.Mittwoch, 25. Oktober 2017
Printseite Oktober 2017 / Vorstellungsrunde
von Yasemin Rittgerott
Yasemin, 24
Wenn ich nicht gerade fleißig in der Uni am Englisch und
Kulturanthropologie studieren bin, verbringe ich meine Zeit gerne auf
Musikfestival oder in meinem Bett.
Für die Zeitung schreibe ich seit 2008. Für mich selbst
schreibe ich aber schon viel länger, war aber immer zu schüchtern, mein
Geschreibsel irgendwem zu zeigen. Zum Glück hat sich das mit der Schüchternheit
größtenteils gelegt, sodass ich heute doch sehr zufrieden bin, wenn ich weiß,
dass andere Menschen lesen und manchmal sogar auch gut finden, was ich hier so
fabriziere.
von Tassia Weimann
Tassia, 24 Jahre
Seit zehn Jahren wühle ich mindestens einmal im Monat in
meinem Wortschatz, füge Wort an Wort. Lerne etwas über mich, über andere, über
das Schreiben. Tauche in Inspirationswellen ein, treibe manchmal zu weit davon
und rette mich auf alte Schranktüren, die vorbei schwimmen. Die Worte fließen
meist auf das Papier, dienen als Spiegel. Sind Ausgleich zum
Sonderpädagogik-Studium, trösten über die nächsten großen Zukunftsvisionen
hinweg. Über zu große Erwartungen vor dem Referendariat im nächsten Jahr.
Die Texte sind wie alte Fotos – sie zeigen Momentaufnahmen,
die andere hoffentlich ab und an lächeln lassen. Wie ein Fluss versiegen die
Wörter nie und münden in etwas Großem, etwas Gemeinsamen.
von Elina Göhrmann
Elina, 22 Jahre alt.
Egal welches Zimmer ich mein Eigen nenne, das erste was man
sieht sind Bücher. Und mittendrin liegen Notizbücher über Notizbücher, gefüllt
mit allem, was mir so durch den Kopf geht. Während ich nun meinen Master in
Passau mache und mich mit Medien und Kommunikation beschäftigte, schreibe ich
nebenbei auch kleine Kurzgeschichten, Fanfictions oder ab und zu auch mal ein
kleines Gedicht. Diese Seite ist für mich etwas, wo ich diese Leidenschaft mit
anderen teilen und ausbauen kann. Man tauscht sich aus, verbessert sich und
probiert immer mal wieder etwas neues. Es ist für mich ein
Inspirationsaustausch und zeigt mir immer wieder aufs Neue, auf welche
besondere Art Worte Sachen erfassen können.von Jonas Gadomska
Jonas, 18 Jahre
Seit 2013 im Team, versuche ich die eher schwach wirkende
männliche Beteiligung unserer Jugendseite zu repräsentieren. Da mir dies durch
mein schlechtes Organisationstalent oft weniger gut gelingt, bin ich froh, dass
ich in meiner Schaffenszeit stets Unterstützung von meinen Kolleginnen erhalte.
Ganz im Gegenteil zu meiner schulischen Karriere, welche ich, kurz vor dem
Abitur stehend, leider ohne ihre Hilfe überstehen muss.
Das Schreiben bei den Indianern ist für mich nach einem
Fußballspiel wie eine Art Ausgleich. Ein Bier trinkend und die Tasten tippend,
erhalte ich einen Ausgleich zu meinem Schulausgleich, dem Fußballspielen - also
einen Ausgleichausgleich. So viele Ausgleiche!
von Hannah Springer
Ich bin Hannah, 18 Jahre alt und seit November 2016 Mitglied
der Nachwuchsredaktion der Braunschweiger Zeitung. Früher wollte ich Autorin
werden und habe unzählbar viele Geschichten angefangen zu schreiben. Angefangen
deshalb, weil nur ein Bruchteil fertig geworden sind. Mittlerweile hat sich
mein Berufswunsch geändert, doch der Spaß am Schreiben ist geblieben. Gerade
die unendlichen Möglichkeiten sein Gedankenchaos auf dem Papier zu ordnen,
lassen keine Langeweile aufkommen. Unendlich viele Möglichkeiten eröffnen sich
mir noch an anderer Stelle. Ich habe diesen Sommer mein Abitur bestanden und
darf mich endlich rein in das Abenteuer Leben stürzen. Genau das tue ich und
kann noch gar nicht sagen, wo mich der Sturzflug Leben im nächsten Jahr
hinführt.
von Lara Konrad
Als ich drei Jahre alt war, wollte ich Autorin werden.
Mittlerweile bin ich 18 und möchte Schauspielerin werden; das Schreiben
allerdings ist geblieben. Wenn mein Kopf platzt, wenn ich zu viele Gedanken
habe und mich nicht einmal selbst verstehen kann, dann helfen mir Stift und
Papier dabei, mich zu ordnen und auszudrücken. Meist ergeben sich die Worte
während des Schreibens selbst, manchmal ist es auch nur ein Gedanke, den ich
festhalten möchte. Aber egal, was: Schreiben ist so unglaublich frei und
befreiend. Es ist ein wenig wie das Leben selbst, voll zahlloser Möglichkeiten
und unterschiedlicher Wege - und die Wege, die ich auf dem Papier einschlage,
helfen mir, meine Wege in meinem Leben, insbesondere nach meinem diesjährigen
Abitur, zu erstellen und zu ordnen.
von Niklas Stuhr
Ich bin Niklas Stuhr, bin 21 Jahre alt und studiere
Sozialwissenschaften. Seit nun fast einem Jahr bin ich bei der Seite dabei und
freue mich über den kreativen Austausch, der gehalten wird. Ich denke, mir hat
die Arbeit im Kollektiv schon eine Menge gebracht, da ich gezwungen bin auch
mal andere Blickwinkel zu betrachten, mich Sentimentalität zu stellen, die ich
sonst nicht habe und, auch wenn es simpel erscheint, einfach eine
Regelmäßigkeit und Routine in das Schreiben zu bringen. Schon seit ich einen
Stift halten kann und dazu auch noch das Alphabet gelernt habe, schreibe ich in
irgendeiner Form, nur unterbrochen von der Pubertät, in der natürlich alles
doof war. Danach aber flammte die Passion für die unwillkürliche
Aneinanderreihung von Worten wieder auf und ich bin froh, dass ich diese
Kreativität hier ausleben kann. Ein bisschen Zeitdruck und Deadlines schaden
halt auch selten. An das Schreiben an sich habe ich zudem sehr hohe Ansprüche
und die netten Kolleginnen und der nette Kollege helfen auch immer gerne dabei
selbiges zu verbessern.
Mittwoch, 26. Juli 2017
Printseite Juli 2017 / Tellerand
von Elina Göhrmann
Vorsichtig lehne ich mich ein Stück vor. Meine Hände liegen an der Wand hinter mir, meine Augen sind fest zugekniffen. „Du hast festen Boden unter den Füßen“, denke ich. „Stell dich nicht so an.“ Ich blinzle und sehe zuerst nur meine Wimpern. Und danach das Geländer. Ich muss noch ein Stückchen weiter vor. Nur noch ein kleines Stück. Ich strecke mich, sodass nur noch meine Fingerspitzen die Wand berühren. Mein Blick liegt auf dem Horizont: Ist dieses Panorama vom Leuchtturm nicht schön genug? Aber die Klippen mit den heranrauschenden Wellen sollen ein fantastischer Anblick sein. Vorsichtig wandern meine Augen nach unten und ich sehe Wasser. Aber immer noch keine Klippen. Meine Finger beben und ich lehne mich wieder gegen die Wand. Ich muss sie loslassen und an das Geländer treten, um die Aussicht auf die Klippen bewundern zu können. „Los geht’s“, spreche ich mir Mut zu. „30 Sekunden werden dir nicht schaden. Du stehst sicher.“ Ich schlucke und mache den Schritt nach vorne. Jetzt muss ich nur noch meinen Blick senken. Langsam schüttle ich den Kopf. Nein. Nein, das kann ich einfach nicht. Die Aussicht kann niemals so schön sein, dass ich dafür meine zitternden Lippen und den Knoten in meinem Magen vergesse. Heute Nacht werde ich nur von dem Panorama träumen und nicht von meiner Angst. Ich wende mich ab und gehe.von Hannah Springer
Noch ein Stückchen und noch ein Stückchen. Es war nicht mehr weit, bald würde sie es geschafft haben. Der Untergrund machte es ihr nicht leichter. Es war glatt und viel zu hell. So etwas hatte sie vorher noch nie gesehen. Noch ein Stückchen und noch ein Stückchen. Es war anstrengend, eigentlich viel zu anstrengend für ihren nach Nahrung schreienden Körper. Warum bloß war ihr das passiert? Hätte sie doch besser aufgepasst. Noch ein Stückchen und noch ein Stückchen. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, dass sie auf dem Zweig ihres Lieblingsbaumes gesessen und sich gesonnt hatte. Sie war unvorsichtig geworden, hatte sich kopfüber gedreht. Dann ein Ruck. Sie verlor den Halt. Fall, Aufschlag, Bewusstlosigkeit. Noch ein Stückchen und noch ein Stückchen. Jetzt waren es nur noch wenige Schritte. Sie nahm nochmal alle ihre Kräfte zusammen und stürzte nach vorne. Geschafft. Die Farben hauten sie fast um. Kräftiges Grün, strahlendes Rot und Orange und noch viel mehr. Sie war erschöpft, aber auch so unglaublich glücklich. Endlich hatte die kleine Ameise den Tellerrand erklommen.von Tassia Weimann
Lass mich über deinen Tellerrand blicken.
Der, der zu dir weist.
Du hast so viel vor dir aufgeschichtet, dass ich dich kaum
erkennen kann.
Komm, ich kau für dich die zähen Stücke mit.
Manchmal ist es leichter zu zweit.
von Jonas Gadomska
„Mist! Nicht das schon wieder!”, ärgere ich mich und versuche meine Fahrradkette mehr oder weniger fachmännisch einzuspannen. 10 Minuten bis Unterrichtsbeginn. „Ich bin ja schon wieder mitten in der Pampa gelandet.” Schon wieder! Schon wieder? Die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch das grüne Blätterdach des Waldes. War ich hier wirklich schon mal? Alles sieht so anders aus, hier auf dem Boden. Hatte ich das die letzten Wochen beim Radfahren gar nicht mitgekriegt? Das Vogelgezwitscher war mir bisher gar nicht aufgefallen - wahrscheinlich wegen der lauten Musik meiner Kopfhörer. Ich schaue auf meine Uhr. „In 7 Minuten schaffe ich es bestimmt nicht zur Schule!”, gestehe ich mir ein und gehe in den Wald. Endlich mal etwas Neues wagen ist immerhin besser, als sich von allem geißeln zu lassen.von Lara Konrad
Knapp 16.000 Kilometer ist mein Blick über den Tellerrand
entfernt. Die halbe Welt bin ich dann von allem Vertrauten entfernt, von meiner
Familie, meiner Liebe, meinen Freunden. Ich weiß nicht, was mich dort hinter
meinem Tellerrand erwarten wird oder ob dort überhaupt etwas Anderes liegt als
hier. Vielleicht wird mir dort aber auch erst bewusst, was so etwas - ein
Tellerrand - überhaupt ist, und was es bedeutet, über diesen zu schauen. Lassen
sich dort Antworten finden auf Fragen, die ich noch nicht einmal zu stellen
weiß? Werden sich meine Wünsche und Vorstellungen bewahrheiten? Wird es mir
schwer oder leicht fallen? ... Lohnt es sich überhaupt, mein bisheriges Leben
auf diese Weise zu hinterfragen, oder ist gerade der Sprung über diesen und den
Mut, den dieser braucht, das, was den Tellerrand ausmacht?
Eins weiß ich aber im Moment mit Sicherheit: Sich
ausschließlich innerhalb seines eigenen kleinen Tellers zu bewegen mag das
Einfachste der Welt sein. Es ist aber auch das Fatalste. Denn wie kann man sich
selbst und andere begreifen, wenn man seinen eigenen Teller niemals von außen
aus einer anderen Perspektive betrachtet, niemals den Mut aufbringt, den
entscheidenden Blick und den Sprung aus diesem zu wagen? Vielleicht überhaupt
nicht.
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