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Mittwoch, 5. Februar 2014

Februar 2014 / Sound

von Tassia Weimann


David Crowder Band – Like a lion
Ich stehe zwischen all den Studenten in einem Club und höre Menschen zu, die über Gott reden. Die Atmosphäre ist locker, es gibt tolle Musik und einige haben ein Bier in der Hand. Als die Live-Band dann nach der Predigt „Like a lion“ spielt und alle um mich herum mit Leib und Seele „my god is not dead he’s surely alive / he’s living on the inside and roaring like a lion“ singen, ist es um mich geschehen. Zeit für einen Neuanfang mit meinen Besuchen von Gottesdiensten.

Fifth Harmony – Miss Movin‘ On
„I’ll never be that girl again / My innocence is wearing thin / But my heart is growing strong / So call me (…) Miss Movin‘ On“
Manchmal ist es einfach Zeit sich zu verändern und nach vorne zu schauen.

Ben Howard – Keep your head up
Wir saßen im Auto, unsere Herzen waren voller Vorfreude auf diesen neuen Lebensabschnitt – Studium. Umzug, neue Stadt, neue Leute, neues Leben. Und so genossen wir die – vorerst – letzte gemeinsame Autofahrt, drehten „Keep your head up“ auf volle Lautstärke und sangen aus voller Kehle mit.
Und jetzt denke ich immer wieder gerne an diesem Moment zurück und weiß "I'm happy to have you home".


Unsere Sound-Playlist findet ihr bei spotify unter: Wortfluss Sound


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Mittwoch, 1. Januar 2014

Printausgabe Januar 2014 / Das kleine schwarze ...

von Elina Göhrmann

Das kleine Schwarze
Noch nie zuvor hatte sie sich in der tanzenden und drängelnden Masse so wohl gefühlt. Noch nie so zuvor so wunderschön. Es lag eindeutig an dem Kleid, zu dem ihre Freundin sie überredet hatte. Schwarz und eng lag der Stoff an und reichte bis zu den Knien, ließ ihre Beine lang erscheinen und ihre Haut wie Marmor. Es störte sie nicht, wenn die Träger für kurze Zeit herunterrutschten – für diese eine Nacht war sie nicht das stille Mäuschen in Jeans, sondern eine junge Frau.
Der Schubser von hinten kam überraschend, über die fehlende Entschuldigung hätte sie sich sonst nur aufgeregt, doch heute warf sie dem großen, breitschultrigen Kerl einen kecken Blick zu und tanzte weiter. Nahm die Arme über den Kopf und gab sich dem Bass hin, der durch ihre Adern fegte. Der Saum strich immer wieder leicht über ihre Knie. Manchmal nahm sie die Blicke anderer Frauen wahr und zum ersten Mal dachte sie: „Sie überprüfen, ob ich ihre Konkurrentin sein könnte.“ Sie lächelte bei dem Gedanken daran. Es hatte wohl nicht nur sie festgestellt, dass aus dem hässlichen Entlein ein Schwan geworden war.
Am Ende der Nacht kribbelte immer noch ihr ganzer Körper und das Lächeln wich auch nicht von ihren Lippen. Mit leichten, vorsichtigen Berührungen fuhr sie über den Stoff des Kleides und hängte es dann nicht in den Schrank, sondern nach draußen.
Dieses Kleid würde sie von nun an immer an ihre eigene Schönheit erinnern.

von Tassia Weimann

Das kleine schwarze Loch
Meine Vorräte an schönen Gedanken sind fast aufgebraucht, als wäre da ein kleines Monster, das unter dem Tisch hockt und sich die Kekse stibitzt. Natürlich auch noch die leckersten. Und so sitze ich auf dem Sofa und versuche neben all den hässlichen Gedanken und den traurigen Filmen, die im Fernseher vor sich hin flimmern, einen Keks aus der Schale zu angeln. Aber sie ist leer.
Leer ist somit mein Ideenschatz, wie ich mich vor all dem Schlechten um mich herum ablenken soll. Was tun gehen Druck? Was tun gegen Liebeskummer? Was tun gegen all die Ungerechtigkeit und Verlustangst und das Vermissen und… Was tut man gegen das kleine Schwarze Loch, das sich neben meinen Herzen in mich hineinfrisst, weil es keine Kekse mehr gibt?
Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich traurige Lieder höre, um mich einfach in dem Gefühl fallen zu lassen. Oder Grey’s Anatomy gucke, weil das prompt all die festgesetzten Tränen frei lässt. Manchmal ist das hinderlich, wenn man Besuch hat und unglaublich gefasst und cool wirken möchte. Aber immer öfters hilft es mir, wenn ich sehe, dass alles schlimmer sein könnte und ich mit fiktiven Figuren mitweinen kann. Ein wenig zynisch, ein wenig vorhersehbar. Aber mit der neuen Erkenntnis ist mein schwarzes Loch kein schier endloser See mehr, sondern nur noch eine kleine Pfütze. Und dann schalte ich die Musik von Caspers „Kontrolle/Schlaf“ auf Gisbert zu Knyphausens „Spieglein, Spieglein“ und backe neue Keks, während er singt: „Denkst du wirklich, du wärst so interessant, wenn du dich suhlst in deinem Schmerz? Bla, bla, bla... Ist es wirklich so toll, hilflos zu sein? Du bist so groß und machst dich selbst so seltsam klein. Du bist immer so fixiert auf das, was noch fehlt. Und jetzt schau nicht so gequält - das sieht scheiße aus…“

von Yasemin Rittgerott

Das kleine schwarze Brett
Es ist schon spät und so still im Haus, Max scheint sich auch endlich ins Bett begeben zu haben. Nur sie sitzt noch hier unten mit ihrem Glas Wein. Es ist jetzt 7 Jahre her, dass Frank gestorben ist. Sie nimmt einen großen Schluck und leert dann den Rest der Flasche in ihr Glas. Es ist einer dieser Abende, an denen sie in Erinnerungen schwelgt, an ihre Ehe, ihr Leben als ganze Familie und auch an ihre irgendwie neue kleine Familie nur mit Max, seit Franks Tod.
Sie versucht manchmal immer noch zu begreifen, dass sein Tod ihr ihr Kind so nahegebracht hat. Max war schon immer ein richtiges Papakind gewesen, er sah zu ihm auf und es gab eigentlich nichts, was Frank tat, das Max nicht auch nachmachen wollte. Umso mehr haben sie sich damals gewundert, als Max das Skateboard, das Frank ihm eines Tages mitbrachte, einfach in der Ecke seines Zimmers einstauben lies. Max war damals 6 und vielleicht entsprach es einfach noch nicht seinem Alter, dachten sie. Aber das Skateboard fand nur den Weg aus der Ecke unter das Bett.
Doch dann kam der Unfall, der ihr Leben so völlig auf den Kopf stellte. Max war 9, als es passierte. Einen Monat tat er nichts. Er ging zwar in die Schule, aber den Rest der Zeit saß er nur in seinem Zimmer. Bis er eines Samstagmorgens mit dem Skateboard in der Hand in der Küche stand und ihr verkündete, er würde jetzt rausgehen. Den ganzen Tag sah und hörte sie nichts von ihm, bis er gegen Abend mit aufgeschürften Knien und Händen, aber einem Lächeln im Gesicht wieder in der Tür stand. Von diesem Tag an, kam er jeden Tag nach Hause und berichtete, was er so beim Skaten erlebt hatte. Nie wird sie den Tag vergessen, wie aufgeregt er nach Hause gerannt kam, als er seinen ersten Ollie geschafft hatte. Am Anfang war es nur das Skateboarden, von dem er ihr berichtete, doch mit der Zeit wurde sie zu seiner engsten Vertrauten, der er wirklich alles erzählte. Aber durch ihr Interesse und ihre Unterstützung, hatte Max schnell gemerkt, dass nicht nur er seinen Vater so sehr vermisste. Durch das Skateboarden fühle er sich ihm so nah, wie sonst nie. Und er verstand schnell, dass es auch seiner Mutter so ging.
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Mittwoch, 18. Dezember 2013

Printseite Dezember 2013 / Weihnachten


von Yasemin Rittgerott 

Luki ist schon seit Tagen total aufgedreht. Alles begann am Morgen nach dem ersten Advent, als er Hannah aus dem Weg schubste, um schnellst möglich seinen Adventskalender zu erreichen. Strahlend verkündete er ihr „Nur noch 22 Mal schlafen!“. Sie wunderte sich zwar kurz, aber vielleicht war nun endlich die Weihnachtsbegeisterung der restlichen Familie auf ihn übergegangen. Manchmal saß er wie erstarrt vor der Uhr im Wohnzimmer und dann flitzte er wie verrückt durchs Haus. Am 23. übertraf er alles, als er schon um halb 4 im Schlafanzug sein Abendbrot hinunterschlang und dann ins Bett rannte. So weihnachtsverrückt hatte Hannah ihren kleinen Bruder ja noch nie erlebt... Am Morgen wurde sie durch die Stimme ihrer Mutter geweckt: „Nein, Luki, es ist noch zu früh für Geschenke!“. „Aber Mami, es ist doch jetzt endlich Weihnachten.“, hörte Hannah Luki leise schluchzen. Als sie ihre Zimmertür öffnete, fiel ihr ihr kleiner Bruder weinend um den Hals: „Mama lässt mich dir nicht mein Geschenk geben!“. Hinter seinem Rücken fing ihre Mutter an zu lachen: „Ach, na dann gib es ihr halt jetzt schon.“ „Das haben Mama und ich am verkaufsoffenen Sonntag zusammen gekauft.“, streckte er es ihr entgegen. „Aber ich hab es ausgesucht!“ Hannah packte es aus und blickte auf ein fein geschmiedetes, silbernes Armband mit einem zuckersüßen kleinen Katzenanhänger. „Ich weiß ja, dass Katzen deine Lieblingstiere sind, deswegen hab ich gesagt, wir nehmen den Katzenanhänger. Findest du es schön?“ sprudelte er ihr entgegen. Hannah knuddelte Luki ganz fest und flüsterte in sein Ohr: „So ein schönes Weihnachtsgeschenk habe ich noch nie bekommen.“

von Tassia Weimann 

Ich liebe Geschenke. Aber das Problem ist, dass das nur Kinder dürfen.  Ab wann genau das Alter war, ab dem es verpönt wurde, weiß ich leider nicht mehr. Jedoch höre ich jedes Jahr wieder aufs Neue: „Mir ist total egal was ich bekomme. Es geht ja schließlich nicht ums Geschenke bekommen an Weihnachten. Generell immer dieser Konsum… schrecklich. Man kann sich doch das ganze Jahr etwas schenken, warum denn immer nur an bestimmten Tagen. Find ich echt nicht okay, wenn man da so hinterher ist!“ Okay. Nach jedem Wort ziehe ich mich dann immer tiefer in meinen imaginären Rollkragenpullover hinein und frage mich, seit wann alle so pseudo-erwachsen sind. Es ist ja schließlich auch nicht so, dass ich Konsum total toll finde. Aber ich finde es toll, dass Menschen an einen denken. Und ja, das fände ich auch an jeden anderen Tag im Jahr schön. Aber wie würde man sich denn fühlen, wenn alle anderen was bekommen und man selber nicht? Blöd irgendwie, auch wenn man nicht mehr drei Jahre alt ist und sicherlich nicht die Welt davon untergeht. Aber man freut sich über die Gesten. Und dabei ist mir egal, ob es ein Knopf, die allseits gehassten Socken oder ein total schönes mit Liebe gestaltetes Erinnerungsbüchlein ist. Es geht ums Wertschätzen der Anderen und daran erfreue ich mich. Deswegen genieße ich es jetzt auch auf meinen diesjährigen Adventskalender zu blicken, den mir eine Freundin in der neuen Heimatstadt geschenkt hat. Der steckt nämlich auch nicht voll von teuren Konsumgütern, sondern voller Fleiß und Liebe. Und bis Weihnachten erfreue ich mich jeden Tag an einer Kleinigkeit bis ich ihr die Freude daran hoffentlich an Weihnachten zurückgeben kann.
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Mittwoch, 30. Oktober 2013

Printseite Oktober 2013 / Begegnungen

von Jonas Gadomska

Stille. In meinem Kopf herrscht Hochbetrieb. Unzählige Fragen, auf die ich versuche eine Antwort zu finden, knallen mir gegen den Kopf. Warum? Warum hier? Warum heute? Warum jetzt? Die mich eben noch nervende, ohrenbetäubende Lautstärke des Konzertes und die stickige Luft werden nebensächlich. Sie ist hier. Meine Englischlehrerin. Zu allem Überfluss findet mein Bruder, der meinem panischen Blick gefolgt ist, es lustig ihr zu zuwinken. Ich ramme ihm meinen Ellenbogen in die Seite, da ich einen bösen Blick erwarte, den sie mir im Unterricht alltäglich zu wirft. Sie winkt!? Winken? Was soll das? Diese und weitere Fragen ließen mir auch nach dem Konzert keine Ruhe, genauso wie die Tatsache, dass ich sie morgen in der ersten Stunde haben würde. Nach einer quälend langen Nacht ohne Schlaf, kam ich verspätet und schlaftrunken an meinem Klassenraum an. Ich klopfte etwas zögerlich und öffne die Tür. Vor mir steht eine, nicht wie erwartet schlechtgelaunt guckende Frau, im Gegenteil! Mit einem netten Lächeln deutet sie nickend, ohne auf eine Entschuldigung, auf meinen Platz. Obwohl die Englischstunde sehr langweilig und ich kurz vor dem Einschlafen war, ging sie ausgesprochen schnell um. „Na Jonas, wurde gestern spät oder? '', höre ich eine Stimme von hinten und drehe mich um. Sie sieht genauso aus wie sonst, dennoch bemerke ich, dass irgendwas anders an ihr ist. Ja, ihre Augen strahlen vor Freunde und sie lächelt mich an. Sie ist anders und doch gleich. Noch heute denke ich über diese gewöhnliche und gleichzeitig ungewöhnliche Begegnung nach, die meine Einstellung zu anderen Menschen verbesserte. Außerdem kann ich mir immer noch nicht erklären, warum sie auf einmal so freundlich ist. Durch diese Begegnung veränderte sich, wie durch ein Wunder, die Beziehung zu meiner damaligen Englischlehrerin, die nun meine Klassenlehrerin ist.

von Yasemin Rittgerott

„Denn es geht um Begegnungen / es hängt damit zusammen wen du irgendwann triffst“ singen Nosliw und NattyFlo in ihrem Song „Begegnungen“.
Ich treffe Julia, nachdem ich ca. 5 Tage in dieser neuen Stadt wohne. In diesem folgenden Wochenende, bekomme ich zu spüren, wovon die beiden da singen.
Julia und ich gehen mit ihrer Mitbewohnerin und Freunden von ihr in der Mensa essen, abends dann feiern, da treffe ich dann Charlotta und Celina, heute bin ich fast schon das 5. Mitglied in ihrer 4er Mädels-WG.
Ich war von Anfang an zuversichtlich. Und das zu Recht! Denn man muss nur eine neue Person treffen, die dann einen kennt, der dann eine kennt, die dann wieder wen anderes kennt usw. Plötzlich kennt man all diese Menschen, die vor kurzem noch Fremde waren, schon ziemlich gut und man beginnt eine gemeinsame Routine zu entwickeln. Wer hat wann mit wem zusammen eine Vorlesung. Mit wem kann man wann gemeinsam in die Mensa gehen.
„So was passiert wenn sich Wege kreuzen / ein jeder kennt das bei seinen Freunden /  dieses Gefühl wenn die Vibes so nice sind das ist nicht selbstverständlich“. Und die Stimmung zwischen uns ist wirklich so nice! In dieser wirklich kurzen Zeit hat sich aus uns, die wir alle alleine dastanden ein neuer Freundeskreis entwickelt. Für jede von uns hat eine erste nette Begegnung zu allem weiteren geführt. Etwas, das ich jetzt schon nicht mehr missen möchte.
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Mittwoch, 16. Oktober 2013

Printausgabe Oktober 2013 / Makel(los)

von Tassia Weimann

"Mit jedem deiner Fehler lieb ich dich mehr", singt Philipp Poisel in seinem Ohr und irgendwie fühlt er sich unwohl in seiner Haut. Nicht nur, weil er Philipp Poisel hört. Nein, irgendwie kann er das nicht glauben. Dass Fehler einen noch liebenswerter machen. Zu etwas Besonderem. Denn schließlich zielt doch alles auf Schönheit ab. Die Firmen, die Werbung, die Modelagenturen, das Fernsehen. Wenn Dieter Bohlen nach einer mäßigen Gesangseinlage lobt: "Sie sieht super aus - Sie hat das Zeug zum Superstar!", dann fragt er sich wirklich, ob es nicht doch unsere Makel sind, die uns ausscheiden lassen. Die uns nicht in die Hollistermodelkartei lassen oder jede andere Chance mildern. Wie die Chancen der Frauen bei einem seiner Kumpel, der selbst Freunde nach Schönheit sortiert. "Sie ist nicht so hübsch, aber ihre Freundinnen sind heiß! Da geh ich hin!" Na danke, denkt er auch dann, aber schweigt. Ihm gefällt seine Nase nicht und seine ebenfalls schiefen Zähne. Und dunklere Haare wären auch besser. Aber eigentlich wäre es nur besser wäre ihm all das endlich egal. Würde er einfach auf seine wirklichen Freunde hören, die ihm auf die Schulter klopfen und ihn nicht wegen Philipp Poisel aufziehen. Die mit ihm über diese aufgesetzten Mädchen herziehen, die mit ihrem "ach so perfekten" Aussehen plus ampelroten Lippenstift um Aufmerksamkeit buhlen. Die wahrscheinlich sagen würden, er sei nicht hübsch. Durchschnittlich, aber nicht hübsch. Nichts mit dem sie dich abfinden würden. Und sein erster Gedanke ist: "Verdammt macht dich dein Charakter hässlich". Denn eigentlich sollten wir verdammt klischeehaft sagen: Das Innere zählt. Denn das tut es. Selbst wenn er perfekt aussehen würde, wären ihm diese Mädchen mit ihrer Oberflächlichkeit zuwider. Und er möchte eh kein Superstar werden. Sein einziger Fehler bleibt: Er denkt zu viel. Und der einzige Gedanke, der ihm nicht in den Sinn kommt ist, dass ihn das verdammt liebenswert macht.

von Yasemin Rittgerott

Sie bedecken deine Haut, als hätte ein kleines Kind beim Malen nicht richtig aufgepasst und überall Farbe herumgespritzt. Es sind tausende und scheinen kein Ende nehmen zu wollen. Wenn ich dich ansehe, fühle ich mich als würde ich den dunklen Nachthimmel betrachten von dem die Sterne hinableuchten und mit ihrem Licht ihre ganz eigenen Geschichten auf die Erde senden. Genauso strahlen mir auch diese orangenen Tupfer von deiner blassen Haut entgegen. In ihnen sehe ich Bilder, die sich aneinanderreihen und mit meiner Fantasie von so einigen Abenteuern erzählen.
Schon oft habe ich angefangen sie zu zählen und dabei versucht, jeder einzelnen einen Kuss aufzudrücken, aber das hat dich gekitzelt. Aber eigentlich ist es weniger das Gekitzle, was dich stört.
Du magst es überhaupt nicht, wenn ich deinen Sommersprossen so viel Aufmerksamkeit schenke. Einmal hast du mir erzählt, wie du als Kind versucht hast, sie dir von der Haut zu radieren. Mit den Jahren hast du gelernt, sie zu akzeptieren. Aber wie gesagt, so richtig gern hast du sie immer noch nicht. Dabei lassen sie dich so zuckersüß aussehen, wie sie sich zu kleinen Horden zusammenfinden, zum Beispiel um deine Nase oder auf deinen Knien.
Deine Sommersprossen lassen dich lebendig wirken, selbst wenn du mit geschlossenen Augen einfach nur daliegst. Auf deiner Haut geht die Party. Von glattgebügelt keine Spur. Sie machen dich einzigartig.
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