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Mittwoch, 11. März 2015

Printseite März 20015 / Liebesbriefe


von Tassia Weimann

Ich krame mein rotes, mit hektischen Pinselstrichen bemaltes Buch hervor. Irgendwann hatte ich angefangen dort meine Lieblingsmusik des Monats, Bilder mit Freunden und meine Lieblingszitate hineinzuschreiben, damit ich in ein paar Jahren noch alles ganz genau vor Augen habe. Vor ein paar Jahren habe ich dann angefangen all meine Texte über Dich hineinzuschreiben. 19 Seiten konnte ich damit füllen. 19 Seiten voller Liebeskummer, Hoffnungen und schließlich dem großen Glück. Ich fahre über das Buchcover und finde es selbst ein bisschen verrückt. 19 volle DIN A4 Seiten nur über Dich. Es fing 2009 an mit einem Text, mit dem ich Dir zeigen wollte, was Du für mich bist. Ich war damals so aufgeregt, als ich Dir den Text per ICQ schickte. Und umso enttäuschter, als Du ihn nicht erwidern konntest. Es folgten zwei Jahre, in denen ich unzählige Texte über Dich geschrieben habe. Dich verflucht und mich verzweifelt nach Dir gesehnt habe. Bis vor knapp 4 Jahren plötzlich alles gut wurde. Als wir endlich wieder Kontakt hatten und wir spürten, was wir all die Jahre vermisst hatten: unsere tiefgründigen Gespräche, das gemeinsame Lachen. Im ersten Gespräch habe ich mehr gelacht als in all den anderen Monaten zuvor. Es war wie früher, nur mit dem Unterschied, dass du mich endlich wolltest. Seitdem sind wir ein Paar und es folgten weitere Liebesbriefe und Texte über Dich. Alle sind voll von unendlich viel Dankbarkeit und Liebe. Jedes Mal muss ich nun schmunzeln, wenn ich all die hoffnungslosen Texte lese und Du neben mir auf dem Sofa sitzt. Unserem Sofa. Damals hätte ich das nie für möglich gehalten. Und doch ist es passiert und ich bin umso dankbarer all das in Textform festgehalten zu haben.

von Jonas Gadomska

Ich lehne mich zurück und schließe meine Augen. Dort wo eben noch das Sonnenlicht auf meinen Schreibtisch fiel, ist jetzt nur noch Dunkelheit. Ich denke nach. Über dich, das Leben und uns. Keine Ahnung, wie lange ich schon an diesem Brief sitze, falls man es überhaupt einen Brief nennen kann. Ich habe schließlich noch nichts geschrieben. Weder über dich, noch über mich oder meine Gefühle. Ich seufze beim Gedanken, dich zu verlieren. Aber ich traue mich auch nicht dich anzusprechen, oder dir einen Brief zuzustecken. Jetzt kommen die Selbstzweifel. Ich hätte erst gar nicht angefangen sollen zu schreiben. Doch das Leben kann man sich nun mal nicht aussuchen. Aber die Personen. Diese Menschen wie dich, die einem auch bei schlechtem Wetter ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Die, mit denen man sich vorstellen kann ein ganzes Leben zu verbringen und dabei nicht einen Tag davon zu bereuen. Ich runzele meine Stirn und lasse den Stift zwischen meinen Fingern pendeln. Oder stelle ich mir das alles zu schön vor? Ich kenne dich nicht gut, nur dein bezauberndes Lächeln. Aber reicht mir das? Wenn ich jetzt schon Zweifel habe, kann dann noch was aus uns werden. Ich meine könntest du mich dann auch lieben? Meine Augen öffnen sich und meine Finger lassen den Stift fallen. Ich lehne mich nach vorne und reiße den Brief von meinem Block. Er fühlt sich so leicht an, zu leicht. Ich bekomme es nicht über mein Herz und zerknülle ihn.

von Yasemin Rittgerott

Liste Liebesfilme

Love actually – nicht nur ein toller Film zu Weihnachten, sondern auch einer meiner absoluten Lieblings-Liebesfilme. Jede der kleinen Geschichten, hat ihre eigene wundervolle Besonderheit und zusammen ergeben sieeinfach dieses bezaubernde Potpourri aus Gefühlen.
The Notebook (Wie ein einziger Tag) – Als Stellvertreter für alle Nicolas Sparks-Filme, hier mein persönlicher Favorit. Ich vergieße jedes Mal aufs neue tausend Tränen, die natürlich schnell weggewischt werden, um bloßkeine Sekunde von Ryan Goslings atemberaubender Erscheinung zu verpassen.
Crazy Stuipd Love – Wieder Ryan Gosling (Yasemin an dieser Stelle mit Herzchenaugen). Und mal eine wirklich nette Liebeskomödie. Die Story ist irgendwie witzig und süß zugleich und eben mit Ryan Gosling.
Lol (2008) – Ich habe einfach ein Faible für französische Teenie-Liebesschnulzen. Und mit Lol hat alles angefangen. Tausendmal süßer als das amerikanische Remake und mit einem tollen Soundtrack zeigt er die Gefühlachterbahnen, in die Teenager nun mal gerne einsteigen.
Außerdem toll: Sweet November, Stadt der Engel, Alles eine Frage der Zeit, Meine erste Liebe und und und…

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Mittwoch, 11. Februar 2015

Printseite Februar 2015 / Sound

Yasemins Sound bildet die Grundlage für alle weiteren Texte.

von Yasemin Rittgerott

Spaceman Spiff – Vorwärts ist keine Richtung
„denn woanders ist auch immer / nur ein weiteres hier / und immer viel zu viel die andern / immer viel zu wenig wir / aber nur weil es uns nicht gut geht / heißt das nicht es geht uns schlecht / nur weil alle anderen reden / heißt das nicht sie haben recht“

Fotos – Es reisst uns auseinander
„Wiederholung / ich halte die Stadt an / für eine Sekunde /man hörte uns hoffen / wir dachten, dass niemand / das Glück stillen kann / weil niemand das Glück stören kann“

Wir sind Helden – Darf ich das behalten?
„Ich geb dir meinen Verstand dafür / ich geb dir mein Wort, ich will / für immer stumm sein, aber / nimm das nicht fort von mir“

von Elina Göhrmann

Ich laufe über die Brücke, unter der die Donau fließt. Meine Schritte passen sich dem Takt der Musik in meinen Ohren an. Von weitem sehe ich schon deine grüne Jacke und ich weiß, dass du mich ebenfalls schon längst gesehen hast. Je näher du mir kommst, desto weiter weg bist du von mir. Mit jedem Schritt ignorieren wir uns beide mehr.
 „Spielt keine Rolle in diesen Tagen/ Wir gehen die Straße auf verschiedenen Seiten/ Ich rieche den Winter, noch die Bilder vor Augen“
Es ist unangenehm. Mir war nicht bewusst, wie seltsam Begegnungen nach all den Jahren zusammen sein können. Als du genau auf meiner Höhe bist, hoffe ich, dass dieses Gefühl irgendwann verschwindet.
 „Wir fallen in tiefe Löcher/ und klettern wieder hinauf/ und die Sonne geht unter/ und die Sonne geht auf“
Unbewusst drehe ich mich noch einmal um und schaue dir hinterher. Du hast deine Hände in die Hosentaschen gesteckt – ich kann es einfach nicht lassen, daran zu denken, wie wir vor wenigen Tagen noch Hand in Hand diese Strecke gingen. Ich will mich schon wieder abwenden, als du deinen Kopf drehst. Ich schaue für diesen kurzen Moment wieder in deine Augen.
 „Darf ich das behalten/ Behalt meine alten Träume/ Kannst sie verwalten wie du willst“

von Tassia Weimann

Wir philosophieren über die nächsten Jahre und was danach passiert und wann man heiratet und Kinder bekommt und ob man vorher die Welt umsegelt oder lieber nicht. Ich sitze mit meinen beiden neuen Freundinnen aus der Uni auf dem Sofa. Nebenbei läuft das Dschungelcamp – ein Stück Oberflächlichkeit, die wir selbst umgehen möchten. Wir sind umgeben von Selbstinszenierung und Selbstoptimierung. Diskutieren die neusten 30-Tage-Challenges. Reden über unsere große Lieben und die, die es mal waren. Als sie sagen, dass sie Dich ganz anders erwartet hatten, zieht sich mein Bauch zusammen. Was soll das bedeuten? Ich höre weg, irgendwie. Ich versuche nicht über zu reagieren. „Nur weil die anderen reden, heißt es nicht sie haben Recht.“
Als sie weg sind, stolpere ich ins Nebenzimmer, krieche unter deine Decke, lege meinen Kopf auf deine Brust. Es fühlt sich an, als würde er eine Tonne wiegen. Zu viele schwere Gedanken, die sich entleeren müssen. Du setzt deine Kopfhörer ab und ich sprudle heraus mit allem, was mir auf den Herzen liegt. Zweifel, gesät von anderen und Hoffnungen gepflanzt von uns. „Weil niemand das Glück stehlen darf.“
Dein lauter Atem beruhigt mich. Du schläfst so friedlich. Dein Atem pustet mir im stetigen Rhythmus die Haare aus der Stirn. Ich streiche dir deine aus dem Gesicht. „Darf ich das behalten? […] Ich brauche nichts mehr als das. Ich brauche nichts mehr…“
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Mittwoch, 14. Januar 2015

Printseite Januar 2015 / Vorsätze

von Yasemin Rittgerott

Ich habe viele Männer geküsst. Früher oft mit spitzen Lippen, wenn beim Flaschendrehen die Flasche nicht auf meinen Schwarm gezeigt hat. Ein paar Mal hatte ich ganz weiche Knie voller Aufregung, Vorfreude und Erwartungen. Es gab einige sehr feuchte Küsse mit Typen mit Waschlappenzungen. Manche Küsse waren einfach gut, die Art von Kuss, in den man sich hineinlehnt, bei dem man alles um sich herum vergisst. Andere waren halt OK.
Was all diese Typen gemeinsam haben? Ich werde sie dieses Jahr nicht wieder küssen. Bei manchen habe ich es nicht gefühlt, bei anderen war von vorneherein klar, dass sie nicht die Richtigen waren. Und bei den wenigen, bei denen ich dachte, sie seien es, wurde ich bitter enttäuscht, fallen gelassen. Ihre Küsse hatten einen salzigen Nachgeschmack von den Tränen, die ich ihnen nachgeweint habe.
Die letzten Jahre waren voll von solch falschen Küssen. Was jedoch nicht heißt, dass ich auch nur einen von ihnen bereue. Im Gegenteil - mit jedem von ihnen habe ich mehr gelernt, wonach ich eigentlich suche.
Aber wie traurig wäre es bitte, wenn ich mich von solchen Rückschlägen runterziehen lassen würde?
Deswegen möchte ich dieses Jahr weiter küssen. Weiter die Hoffnung bewahren, irgendwann den einen zu finden mit Küssen, die sich erst ganz vorsichtig vortasten und sich dann aufbauen, sich leidenschaftlich zueinander lehnen. Mit albernen Küssen, die unter leisem Kichern vor sich hin schmatzen. Küsse, die mit auch nach dem tausendsten Mal noch Gänsehaut bringen und nur beim bloßen an sie denken, ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

von Tassia Weimann

Januar
Ich suche mein liebstes gelbes Washitape mit weißen Punkten raus und hefte meine Neujahrsvorsätze an mein Bücherregal. 2015 werde ich es schaffen, sie einzuhalten.
Februar
Durch meinen ersten Vorsatz „ein Buch jeden Monat lesen“ schummle ich mich dank Klausurenphase so durch. Schließlich habe ich ja zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem neuen Jahr schon ein Buch gelesen – das zählt doch oder nicht?
März
Tatsächlich schaffe ich es regelmäßig laufen zugehen und habe mich für den Würzburger Residenzlauf angemeldet – bald kann ich zwei Häkchen setzten!
Juni
Ich. Auf dem Southside Festival. Nach über einem Jahr Festival-Abstinenz genieße ich das Gefühl von Freiheit, Sommer und schwitziger Haut bei lautem dröhnendem Bass in meinem Herzen. Das Leben ist wunderschön!
Dezember
Irgendwann im Laufe des Jahres habe ich meine Vorsätze aus den Augen verloren. Der Zettel hängt immer noch am Bücherregal und wurde sogar gut abgearbeitet. Doch irgendwann zwischen April und November wurden all diese Vorsätze immer nebensächlicher. Den einen Monat habe ich vier Bücher hintereinander verschlungen. Einfach weil Zeit dafür war und weil ich es wollte. Andererseits las ich den anderen Monat kein einziges, weil ich mit Reisen, Leben und anderem beschäftigt war. Ich liebe Vorsätze. Vorsätze lassen uns am Anfang des Jahres darüber philosophieren, was uns wahrscheinlich dieses Jahr glücklich machen wird. Und dann lassen wir es passieren. Und manchmal sind alle Häkchen gesetzt und wir können stolz auf uns sein. Und ein anderes Mal passiert etwas total Unvorhergesehenes, was all die Vorsätze in den Schatten stellt.

von Jonas Gadomska

„Nun ist es schon mindestens acht Stunden her“, höre ich mich leise sagen, „acht Stunden 2015.“ Meine durchnässten Schuhe schleifen über den Boden. Über einen Boden bedeckt mit Böllerresten, Raketenkappen und leeren Batterien – Müll. Wenn der Müll vom letzten Jahr schon vor meinen Füßen liegt und das alte Jahr hinter sich gelassen hat, bin ich dann auch schon in 2015 angekommen? Geburtstage, Schule, Ferien – ein Jahr im Schnelldurchlauf. Dann die Gedanken, Vorsätze fürs neue Jahr. Der Gedanke an meine Jahresvorsätze lässt mich lächeln, wie immer, wenn ich an etwas Schönes denke. Zu schön für die Wirklichkeit? Die Schule beenden und auf eine Neue gehen. Neue Leute kennenlernen, dadurch neue Bekanntschaften knüpfen aus denen sich neue Freundschaften entwickeln. Neue Aufgaben und Probleme bewältigen. Einfach alles Neue gut überstehen. Und wie immer fühle ich, dass du am Ende mein größter Wunsch und mein schönster Vorsatz bist. Der, der mich immer wieder zum Lächeln bringt und der alles andere als neu ist.

von Elina Göhrmann

Ich sehe die bunten, brennenden Funken am dunklen Nachthimmel explodieren. Wie ein Gemälde aus tanzenden Lichtern sieht es dort oben aus und wie jedes Jahr entsteht in mir das Gefühl, dass etwas Neues anfängt. „2015“, schießt es mir durch den Kopf. „Das ist das erste Bild vom Jahr 2015.“ Über gute Vorsätze mache ich mir schon lange keine Gedanken mehr: man vergisst sie über das Jahr hinweg sowieso oder schiebt sie immer wieder auf, bis wieder Dezember ist. In dem farbigen Gewitter über mir sehe ich stattdessen Bilder aus meiner Fantasie. Was alles so ansteht im Jahre 2015: Vielleicht schaffe ich es mal wieder zum Deichbrand-Festival, ich werde mich mit meinen Freunden verzweifelt in die Klausuren stürzen und mit ihnen die Abende lachend ausklingen lassen. Mir wird bestimmt auch etwas Peinliches passieren und neue Bekanntschaften werden auch dazugehören. In mir steigt Vorfreude empor, Vorfreude auf den bunten Mischmasch an Gefühlen, welcher mich erwartet. Und dafür brauche ich keinen Plan, nur eine einzige Regel: Ich werde ich selbst bleiben. Denn eigentlich kann nichts wichtiger sein, als dass ich auf das Jahr zurückblicke und weiß, dass ich nur Sachen getan habe, die sich für mich richtig angefühlt haben. Dass ich zwar Ratschläge angehört und beherzigt habe, aber niemand Entscheidungen für mich getroffen hat. Dass ich mich nicht beeinflussen lassen habe.
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