Mittwoch, 14. Januar 2015

Printseite Januar 2015 / Vorsätze

von Yasemin Rittgerott

Ich habe viele Männer geküsst. Früher oft mit spitzen Lippen, wenn beim Flaschendrehen die Flasche nicht auf meinen Schwarm gezeigt hat. Ein paar Mal hatte ich ganz weiche Knie voller Aufregung, Vorfreude und Erwartungen. Es gab einige sehr feuchte Küsse mit Typen mit Waschlappenzungen. Manche Küsse waren einfach gut, die Art von Kuss, in den man sich hineinlehnt, bei dem man alles um sich herum vergisst. Andere waren halt OK.
Was all diese Typen gemeinsam haben? Ich werde sie dieses Jahr nicht wieder küssen. Bei manchen habe ich es nicht gefühlt, bei anderen war von vorneherein klar, dass sie nicht die Richtigen waren. Und bei den wenigen, bei denen ich dachte, sie seien es, wurde ich bitter enttäuscht, fallen gelassen. Ihre Küsse hatten einen salzigen Nachgeschmack von den Tränen, die ich ihnen nachgeweint habe.
Die letzten Jahre waren voll von solch falschen Küssen. Was jedoch nicht heißt, dass ich auch nur einen von ihnen bereue. Im Gegenteil - mit jedem von ihnen habe ich mehr gelernt, wonach ich eigentlich suche.
Aber wie traurig wäre es bitte, wenn ich mich von solchen Rückschlägen runterziehen lassen würde?
Deswegen möchte ich dieses Jahr weiter küssen. Weiter die Hoffnung bewahren, irgendwann den einen zu finden mit Küssen, die sich erst ganz vorsichtig vortasten und sich dann aufbauen, sich leidenschaftlich zueinander lehnen. Mit albernen Küssen, die unter leisem Kichern vor sich hin schmatzen. Küsse, die mit auch nach dem tausendsten Mal noch Gänsehaut bringen und nur beim bloßen an sie denken, ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

von Tassia Weimann

Januar
Ich suche mein liebstes gelbes Washitape mit weißen Punkten raus und hefte meine Neujahrsvorsätze an mein Bücherregal. 2015 werde ich es schaffen, sie einzuhalten.
Februar
Durch meinen ersten Vorsatz „ein Buch jeden Monat lesen“ schummle ich mich dank Klausurenphase so durch. Schließlich habe ich ja zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem neuen Jahr schon ein Buch gelesen – das zählt doch oder nicht?
März
Tatsächlich schaffe ich es regelmäßig laufen zugehen und habe mich für den Würzburger Residenzlauf angemeldet – bald kann ich zwei Häkchen setzten!
Juni
Ich. Auf dem Southside Festival. Nach über einem Jahr Festival-Abstinenz genieße ich das Gefühl von Freiheit, Sommer und schwitziger Haut bei lautem dröhnendem Bass in meinem Herzen. Das Leben ist wunderschön!
Dezember
Irgendwann im Laufe des Jahres habe ich meine Vorsätze aus den Augen verloren. Der Zettel hängt immer noch am Bücherregal und wurde sogar gut abgearbeitet. Doch irgendwann zwischen April und November wurden all diese Vorsätze immer nebensächlicher. Den einen Monat habe ich vier Bücher hintereinander verschlungen. Einfach weil Zeit dafür war und weil ich es wollte. Andererseits las ich den anderen Monat kein einziges, weil ich mit Reisen, Leben und anderem beschäftigt war. Ich liebe Vorsätze. Vorsätze lassen uns am Anfang des Jahres darüber philosophieren, was uns wahrscheinlich dieses Jahr glücklich machen wird. Und dann lassen wir es passieren. Und manchmal sind alle Häkchen gesetzt und wir können stolz auf uns sein. Und ein anderes Mal passiert etwas total Unvorhergesehenes, was all die Vorsätze in den Schatten stellt.

von Jonas Gadomska

„Nun ist es schon mindestens acht Stunden her“, höre ich mich leise sagen, „acht Stunden 2015.“ Meine durchnässten Schuhe schleifen über den Boden. Über einen Boden bedeckt mit Böllerresten, Raketenkappen und leeren Batterien – Müll. Wenn der Müll vom letzten Jahr schon vor meinen Füßen liegt und das alte Jahr hinter sich gelassen hat, bin ich dann auch schon in 2015 angekommen? Geburtstage, Schule, Ferien – ein Jahr im Schnelldurchlauf. Dann die Gedanken, Vorsätze fürs neue Jahr. Der Gedanke an meine Jahresvorsätze lässt mich lächeln, wie immer, wenn ich an etwas Schönes denke. Zu schön für die Wirklichkeit? Die Schule beenden und auf eine Neue gehen. Neue Leute kennenlernen, dadurch neue Bekanntschaften knüpfen aus denen sich neue Freundschaften entwickeln. Neue Aufgaben und Probleme bewältigen. Einfach alles Neue gut überstehen. Und wie immer fühle ich, dass du am Ende mein größter Wunsch und mein schönster Vorsatz bist. Der, der mich immer wieder zum Lächeln bringt und der alles andere als neu ist.

von Elina Göhrmann

Ich sehe die bunten, brennenden Funken am dunklen Nachthimmel explodieren. Wie ein Gemälde aus tanzenden Lichtern sieht es dort oben aus und wie jedes Jahr entsteht in mir das Gefühl, dass etwas Neues anfängt. „2015“, schießt es mir durch den Kopf. „Das ist das erste Bild vom Jahr 2015.“ Über gute Vorsätze mache ich mir schon lange keine Gedanken mehr: man vergisst sie über das Jahr hinweg sowieso oder schiebt sie immer wieder auf, bis wieder Dezember ist. In dem farbigen Gewitter über mir sehe ich stattdessen Bilder aus meiner Fantasie. Was alles so ansteht im Jahre 2015: Vielleicht schaffe ich es mal wieder zum Deichbrand-Festival, ich werde mich mit meinen Freunden verzweifelt in die Klausuren stürzen und mit ihnen die Abende lachend ausklingen lassen. Mir wird bestimmt auch etwas Peinliches passieren und neue Bekanntschaften werden auch dazugehören. In mir steigt Vorfreude empor, Vorfreude auf den bunten Mischmasch an Gefühlen, welcher mich erwartet. Und dafür brauche ich keinen Plan, nur eine einzige Regel: Ich werde ich selbst bleiben. Denn eigentlich kann nichts wichtiger sein, als dass ich auf das Jahr zurückblicke und weiß, dass ich nur Sachen getan habe, die sich für mich richtig angefühlt haben. Dass ich zwar Ratschläge angehört und beherzigt habe, aber niemand Entscheidungen für mich getroffen hat. Dass ich mich nicht beeinflussen lassen habe.
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