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Foto: Lizenzfreies Bild von Pixabay |
von Tassia Weimann
Deine
schwarze Nase ist beige-gefleckt als du zu mir aufblickst. Sie wackelt in
freudiger Erregung, die braunen Knopfaugen auf den Ball gerichtet. Du sitzt so
gerade da, dass es mich nicht überraschen würde, wenn du hinten überkippst vom
lauter „richtig machen“-Wollen. Der Ball fliegt ins Wasser und du geradezu
hinterher. Das Meer und der Sand bleiben noch länger an dir haften, auch wenn
du schon zufrieden eingerollt im warmen Zimmer liegst.
Schon in den
ersten fünf Minuten unseres gemeinsamen Lebens hattest du mich erobert. Als
dein schwarzer Kopf sich auf meinen Beinen abgelegte und du einschliefst.
Wahrscheinlich mit genauso klopfenden Herzen wie ich. Meins, weil ich das erste
Mal wirklich Verantwortung für jemand anderes übernehmen würde und deins, weil
es schon wieder zu jemanden anderes ging. Aber wir haben unsere klopfenden
Herzen beruhigt, denke ich. Du läufst mir nur noch ab und zu in der Wohnung
nach. Und ich habe nicht bei jeder deiner Zuckung Angst, es könnte etwas Neurologisches
sein.
Ich verdrehe
die Augen, wenn Leute sagen, dass dieser oder jener Hund genauso aussieht wie
du, nur weil er auch schwarz ist. Manchmal stimmt es vielleicht, aber doch sind
sie alle nicht mein kleines Hundemädchen, die ich doppelt so gerne habe, wie
ich sie manchmal zum Pfeffer wünschen würde. Wenn du dich in dem toten Frosch
wälzt oder 5 Minuten austestest, ob ich „Platz“ wirklich ernstgemeint habe.
Aber dann liegst du neben mir im Auto und dockst deinen Kopf auf meinen Schoß
an und plötzlich stören mich Wasser und Sand nicht mehr. Und ich akzeptiere
mein Schicksal als verrückte alte Hunde-Lady.
von Niklas Stuhr
Auf die
Haltung achten, Flügel gerade. Sichere Landung. Endlich wieder in der gewohnten
Umgebung, in der man alles kennt wie seine Westentasche. Was auch immer das
ist. Jetzt brauche ich erstmal eine kleine Entspannungsphase, ich glaube
heutzutage nennt man das Selfcare. Doch ich sehe etwas in der Entfernung und es
zieht mich magisch an. Ich muss näher ran. Je näher ich komme, desto mehr wird
mir klar, was mein Auge da erspäht hat. Ich kann meine Aufregung kaum noch
halten und fange an zu rasen, so schnell wie ich kann. Ich stoppe ein paar
Zentimeter vor dem Objekt und kann es kaum fassen. Niemand scheint es sonst
gesehen zu haben, also muss ich es mir schnell unter den Nagel reißen. Ich
verschlinge es so schnell es geht. So ein tolles Stück Brot ist einfach das
Beste, was es auf der Welt gibt. Und sofort kommt das nächste Stück geflogen.
Schade, dass ich eigentlich gar kein Brot essen darf, da es für mich tödlich
sein kann, wenn es schon zu lange rumliegt. Das Leben als Ente ist eben doch
nicht immer so toll, wie es von außen aussieht. Aber meistens schon. Oh,
dahinten schwimmt was Interessantes.
von Leonie Backhaus
Ich ziehe
meine Kreise am Himmel und fühle mich dabei so frei und schwerelos. Unter mir
das grüne Gebirge mit samt seinen Felsspitzen, Bäumen und Bächen. Eine
wunderschöne Aussicht von hier oben. Mein braunes Gefieder bringt mich überall
hin, nichts ist unmöglich. Ich nutze die Strömungen des Windes und fliege höher
und höher empor. Stets der Sonne und der Unendlichkeit entgegen. Dabei fallen
die Sonnenstrahlen auf mein Gefieder hinab. Ich schließe die Augen und fange
die Wärme der Strahlen ein. Mein ganzer Körper wird durchflutet von dieser
Wärme und ich genieße einfach diesen Moment und das Gefühl der Freiheit. Dann
werfe ich wieder einen Blick um mich herum und betrachte die kristallklare Welt
vor meinen Augen. Alles ist so intensiv, so messerscharf und schön zugleich.
Nun bekomme ich langsam Hunger und fliege etwas tiefer. 300 Meter von einem
Feld entfernt halte ich Ausschau nach meiner Beute. Und tatsächlich, ich habe
eine Maus entdeckt. Ich mache mich zum Sturzflug bereit und fliege
zielgerichtet auf meine Beute zu. Und zack, da habe ich sie auch schon! Gut
gesättigt widme ich mich jetzt wieder meiner Lieblingsbeschäftigung: dem
Fliegen.
von Hannah Springer
Kinderlachen
um mich herum. Sie spielen fangen, verstecken oder pflücken Gras um ihre
Stofftiere zu füttern.
Ich sitze
mitten drin und versuche zumindest ein wenig die Kontrolle über den bunten
Haufen zu behalten. Einer der Kleinen läuft auf mich zu. Ein blonder Junge um
die fünf Jahre alt. Er kniet sich neben mich ins Gras und fragt, ob ich ihm
helfen kann sein Kuscheltier zu füttern. Es hat sehr Hunger.
Natürlich
helfe ich ihm. Schweigend sitzen wir da, nebeneinander und pflücken Halm für
Halm für seinen kleinen Kuschelfreund: Ein rosa, rot gestreifter Regenwurm.
„Weißt du
was?“, sagt er irgendwann und blickt mich an. „Wenn ich groß bin, werde ich
auch ein Regenwurm.“ Ich schaue ihn lachend an: „Das ist ja cool, warum das
denn?“
„Weil ich
dann nie groß werden muss. Die bleiben immer klein und können immer draußen
spielen und streiten tun die sich auch nicht.“
Er drückt
seinen kleinen Freund an sich. Ich lächele: Ein guter Plan. Vielleicht wäre das
für den ein oder anderen von uns Großen auch die bessere Wahl gewesen.
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