von Elina Göhrmann
Ich kann meinen Blick nicht von dir abwenden. Du verlierst
dich in deiner Begeisterung, deine Grübchen vertiefen sich und du schaust mich
erwartungsvoll an. „Lass uns tanzen gehen.“ Du möchtest das. Unbedingt. Man
sieht es in deinen Augen, in deiner Gestik, daran, dass du nicht mehr
stillstehen kannst. Und ich schaue dich nur an und denke, wie schön dich das
macht. Und daran, dass ich nicht tanzen gehen möchte. Der Funke springt nicht
über. Dieses Mal gelingt es dem Brausen deiner Begeisterung nicht, mich
mitzureißen. Als du das begreifst, lächelst du nur und setzt dich zu mir. Ich
schließe die Augen, denn ich weiß, du beruhigst diesen Sturm in dir und es ist
schwer mit anzusehen, wie das Brausen aus deinem Lächeln weicht.
von Julius Lütgemeier
Sie ging wie immer durch das schemenhafte, farblose Gewirr
aus Leere. Schritt wie immer durch Häuserschluchten aus zäher, schwarzer Luft.
Legte sich wie immer in den trüben See, dessen Oberfläche nichts spiegelte,
weil nichts da war. Aber nichts war ok. nichts war ihr genug. Dunkelland war
ein seltsamer Ort. Sie war schon hier, solange sie sich erinnern konnte. Das
heißt fast solange. Irgendetwas war da mal gewesen, abseits von nichts, aber
das musste wirklich lange her sein. Jetzt gab es nur noch nirgendwo und nirgendwo
wurde mit der Zeit auch anders, mehr. Das bemerkte sie, obwohl sie sonst nichts
von dem, was in Dunkelland passierte, aufnahm. Es passierte ja nichts. Sie
wurde auch müder, obwohl sie nie schlief. Sie war einfach. Sie wandelte einfach
von Tag zu Tag, falls es solche denn gab, von hier nach hier. Dann vor ihr,
ganz weit weg, ein Schimmer. Sie blieb stehen und starrte teilnahmslos in die
Ferne. Die Entdeckung brauchte einige Zeit, bis sie durch die von Schatten
verklebten Synapsen in ihrem Kopf drang. Hell. Sie setzte einen Fuß nach vorne
und bemerkte, dass dies der erste Schritt dieses Lebens war, den sie
irgendwohin tat. Sie zog den anderen Fuß nach und schüttelte sich kurz. Dieses
Gefühl von...Antrieb war ungewohnt. Sie wusste nicht, was Licht war, aber
dieses Nicht-Nichts zog sie an, ließ sie nicht los. Immer fordernder wurde es,
selbst ihre Ohren schien es zu erreichen. Brummen, immer lauter, dröhnte zu
ihr. Die Luft knisterte. Sie sprang nun über die zerklüftete Landschaft, ließ
zerfallene Gebäude, tote Bäume hinter sich, die Augen fest auf das Leuchten
gerichtet. Immer größer wurden die Abstände ihrer Schritte. Rannte sie? Ein
Gefühl von Klarheit ergriff sie, peitschte sie nach vorne. Dann hörte sie den
Schrei ihrer Mutter: „Sie wacht auf!"
von Tassia Weimann
Du willst
gehört werden und wirst ruhig, wenn es ernst wird.
Du findest
die Übeltäter, aber richtest nicht über den Schuldigen in dir.
Du möchtest,
dass andere deine Perspektive sehen und selbst siehst du nur in eine Richtung.
Du willst,
dass sich etwas ändert und hauchst nur leere Worthülsen in die Luft.
Du findest
das Leben so beschwerlich und legst dir selbst die größten Steine in den Weg.
Du möchtest
gesehen werden und versteckst dich bei jeder Gelegenheit.
Du willst,
dass ich dir glaube - die Worthülsen ernstnehme.
Du findest,
ich sollte das alles nicht zu schwarzsehen – nicht nur hell-dunkel.
Du möchtest
ein Feuer entfachen – in mir.
Ich hoffe,
du findest den Funken selbst – in dir.