Wir fahren an einem Samstag durch Peines Umgebung. Lassen uns irgendwohin
treiben, wo es einen Wald gibt und wir uns festhalten können in Bildern.
Schließlich werden wir fündig an einem Ort, der so nah ist und den ich jedoch
noch nie genau betrachtet habe. Anfangs sind wir noch schüchtern im Umgang mit
der Kamera. Obwohl wir uns gegenüber nie schüchtern sind. Wir sind laut, so gut
wie immer am Reden oder Philosophieren. In den acht Jahren haben wir uns oft
die Meinung gesagt, egal wie ungemütlich sie sein mochte. Wir haben zusammen
geweint und gelacht und geschwiegen und alles was man mit seiner besten
Freundin so macht. Wir haben zusammen Freunde gewonnen und verloren. Wir haben
schreckliche Frisuren und Haarfarben ausprobiert. Wir waren einfach wir selbst.
Immer. Und das sind wir auch jetzt, wenn wir durch den Wald irren und
wieder ein Stück unserer Geschichte festhalten. Wir entdecken einen kleinen
See, springen auf den Baumstämmen herum und sind fast wieder so wie damals. Unbeschwert,
jung und frei. Doch dieses Mal auch glücklich. Mit uns. Mit unseren beiden
Leben, die 225 km entfernt voneinander stattfinden. Später zeige ich dir die Fotos. Von den gefühlt 498 magst du jedoch nur 5
auf denen du zu sehen bist. Mir gefallen 13 Fotos von dir. Auch die
Ungestellten. Die, wo du ein wenig die Kontrolle hinter dir gelassen und dich
dem Moment hingegeben hast. Die zeigen, wie mitreißend du lachen kannst. Auf
denen man fast ein wenig in dich hinein blicken kann. Und mir gefällt, was ich
sehe.
von Elina Göhrmann
Casper David Friedrich - Der Wanderer über dem Nebelmeer
Das Wetter war kalt und grau, ein typisches Novemberwetter mit Nebel, der
über dem Tal hing. Es war wie an dem Morgen, als ich sie klammheimlich
verlassen hatte und fortgegangen war. Das war jetzt drei Jahre her und doch
erinnerte ich mich an jede Einzelheit ihrer Bewegung, an jede einzelne Minute.
Und wie immer, wenn diese Erinnerungen mich vollkommen einnahmen, zog ich
meinen Mantel an, nahm meinen Wanderstock und stieg auf den Berg, der direkt
hinter meinem Haus lag. Ich stieg soweit hoch, bis ich die Spitze erreichte und
auf das Nebelmeer unter mir schauen konnte, aus dem die Bäume und kleineren
Berge wie spitze Steine herausragten. Dieses Bild war das Abbild meiner Gefühle
– eindrucksvoll, kalt und sehnsüchtig. Auf meinen Stock gestützt erinnerte ich
mich daran, wie wir darüber gesprochen hatten zu heiraten und lächelte leicht,
als ich ihre Stimme in meinem Kopf hörte, die verlangte einen Löwenzahnstrauß
dafür zu haben. Ich versank in der Vergangenheit. Es tat weh zu wissen, dass
ich freiwillig gegangen war, dass ich sie verletzt hatte, doch zu diesem
Zeitpunkt gab es keine andere Möglichkeit. Die Zeit hatte beschlossen, dass ich
nicht der Richtige für sie war. Und egal wie sehr ich versuchte die Erinnerung
an ihren Vater zu verdrängen, wie er sich in seiner gesamten Größe vor mir
aufgebaut hatte, sie kam immer. Du seist verlobt und ich würde dein Leben
zerstören. Du seist viel zu gut für mich. Du hättest was anderes verdient als
einen armen, schäbigen Wanderer, der durch die Welt zog. Das alles sagte er und
ich ging. Jedes Mal, wenn ich hier stand, weiß ich nicht, wieso ich gegangen
bin. Ich verfluche mich dafür, nicht gekämpft zu haben. Doch jedes Mal kommt
das Wissen zurück, sobald ich wieder am Fuße des Berges bin. Ich hatte gewusst,
dass er recht hatte. Müde seufzte ich und stützte mich noch ein bisschen mehr
auf meinen Stock. „Ich liebe Dich, Maria.“, flüsterte ich leise dem Nebelmeer
zu und ging.
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